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Porphyrgeschiebe aus Dalarna als Leitgeschiebe

von Jan Kottner, Berlin

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1 Einleitung

Die Landschaft Dalarna liegt in Mittelschweden. Für den Sammler kristalliner Geschiebe ist Dalarna insofern von Bedeutung, als dass aus diesem Gebiet in der deutschsprachigen Geschiebeliteratur (COHEN & DEECKE 1891, 1896; KORN 1927; HESEMANN 1936, 1975; Smed 2002) ca. 30 Leitgeschiebe beschrieben werden.
Die meisten Granite und Porphyre, welche als Leitgeschiebe verwendet werden, sind ca. 1,7 Milliarden, einige wenige (Järna-Granit, Venjan-Porphyrit) sind ca. 1,8 Milliarden Jahre alt. Sie gehören zum Transskandinavischen Magmatitgürtel. Die Diabase und die Alkaligesteine Särnait und Tinguait sind wesentlich jünger.

Im folgenden soll auf die Porphyre genauer eingegangen werden. In der deutschsprachigen Literatur sind 15 Porphyre namentlich erwähnt.

Die Dala-Porphyre zeigen im Anstehenden Merkmale, die diese Gesteine deutlich charakterisieren. Sind diese Charakteristika vorhanden, dann wird man die Dala-Porphyre auch mit einiger Sicherheit im Geschiebe erkennen können.
In ihrer Ausprägung sind die Gesteine großen Schwankungen unterworfen. Sie bilden nur selten in sich abgeschlossene Gesteinskörper, gehen ineinander über und treten in ähnlicher makroskopischer Ausbildung verteilt im gesamten Granit-Porphyr-Komplex auf.
Im folgenden wird eine mögliche Einteilung der großen Vielfalt der Dala-Porphyre vorgestellt, die auf makroskopischen Merkmalen beruht. Eine ausführliche Beschreibung von Vertretern dieser Gruppen kann man bei den oben genannten Autoren nachlesen.


2 Porphyre mit vielen großen Einsprenglingen

Sie bilden die Übergänge zu Graniten und Syeniten und kommen verstreut im gesamten Granit-Porphyr-Komplex bis nach Härjedalen vor.
Merkmale: Grundmasse rotbraun, dicht bis feinkörnig; Kalifeldspateinsprenglinge hellrot, bis 15 mm; Plagioklaseinsprenglinge hellgrün, gleichgroß oder kleiner als die Kalifeldspäte; Quarz ist in der Regel makroskopisch nicht zu erkennen; dunkle Mineralaggregate treten untergeordnet verstreut im Gestein auf, bis max. 4 mm Durchmesser.
Bemerkungen: Einzelne Vertreter dieser Gruppe sind der sogenannte Kåtilla-Porphyr, Oxåsen-Porphyr, Månsta-Porphyr. ZANDSTRA 1988 fasst diese Porphyre unter der Bezeichnung „Oxåsenporphyr und verwandte Typen" (S. 238) zusammen.

3 Porphyre mit Quarzeinsprenglingen

Porphyre mit Quarzeinsprenglingen befinden sich in vom übrigen Granit-Porphyr-Komplex durch jotnischen Sandstein getrennten Porphyrfeldern. Ein Gebiet befindet sich westlich von Idre und reicht bis hinter die norwegische Grenze. Ein weiterer Porphyrkomplex befindet sich nördlich von Särna. Ein sehr charakteristisches Leitgeschiebe stammt aus dem SW-Porphyrgürtel, welcher sich von Malung Richtung Rörbäcksnäs erstreckt (siehe 3.3).

3.1 Särna-Porphyr
Merkmale: Grundmasse violett bis rot oder graubraun, dicht; hohe Einsprenglingsdichte, rötliche, grauweiße oder grünliche Feldspateinsprenglinge, 1-5 mm; farblose oder graue Quarzkörner, rundlich begrenzt, selten idiomorph, bis max. 4 mm;
Bemerkungen: In den mehr violetten Porphyren scheinen die Einsprenglinge zahlreicher, dichter und kleiner zu sein, als in den roten Varianten.

3.2 Idre-Porphyr
Unter der Bezeichnung „Idre-Quarzporphyr" fasst ZANDSTRA 1988 alle die Porphyre zusammen, die in einem Porphyrgebiet westlich von Idre anstehen, und auf norwegischer Seite in die Trysil-Porphyre übergehen.
Merkmale: Grundmasse dicht, violettbraun, dunkelrotbraun bis hellrotbraun; Feldspateinsprenglinge bis max. 1,5 cm, in der Regel kleiner, weiß, hellrötlich, deutlich gerundet; Quarz bis 2 mm, rund.

3.3 Kallberget-Porphyr
Der SW-Porphyrgürtel besteht zu großen Teilen aus Kallberget- und Heden-Porphyr besteht. Beide Porphyre wechseln sich ab, ohne dass direkte Übergänge des einen in den andren beobachtet werden können.
Merkmale: Grundmasse dicht, violett oder blutrot (anscheinend gibt es weder im Anstehenden noch im Geschiebe Übergangsfarben); Kalifeldspäte violett oder rot, gleiche Farbe wie Grundmasse, bis max. 5 mm, nahezu rechteckig, hohe Einsprenglingsdichte; Quarzkörner rund mit „Einwachsungen" der Grundmasse; während der Verwitterung wird die Grundmasse insbesondere auf der Gesteinsoberfläche heller, fast weiß, aber die Einsprenglinge behalten ihre intensive Farbe, so dass diese dunkler erscheinen, als die Grundmasse. Das ergibt einen sehr charakteristischen Kontrast, der den Kallberget-Porphyr unverwechselbar macht.
Bemerkungen: Violette Idre-Porphyre mit kleineren Einsprenglingen ähneln sehr stark Porphyren des SW-Porphyrgürtels.

4 Heden-Porphyr

Dieses Gestein aus dem SW-Porphyrgürtel muss gesondert erwähnt werden. Er führt große bis 15 mm weißliche bis rötliche Kalifelsspäte. Deshalb wird er von HJELMQVIST 1982 zu den „Porphyren mit vielen großen Einsprenglingen" gestellt, aber die rotbraune bis rot violette Grundmassenfarbe unterscheidet ihn deutlich von diesen.
Weitere Merkmale: Grundmasse nicht ganz dicht, rotbraun, rotviolett, dunkelviolett; Feldspäte bis 15 mm, rötlich, rotbraun, selten gleiche Farbe wir Grundmasse, meist heller; wenige Anhäufungen dunkler Minerale bis max. 2 mm; in der Regel keine Quarzeinsprenglinge;

5 Porphyre mit Ignimbritstrukturen

Diese Gesteine stehen in der Umgebung von Älvdalen an und setzen sich mit Unterbrechungen bis nach Härjedalen fort. In der Umgebung von Älvdalen wurden einzelne Porphyrtypen bekannt, welche zu Schmucksteinen verarbeitet wurden. Folgende Lokalnamen gehören zu dieser Gruppe: Blyberg, Rännås, Orrlok, Roth, Dysberg, Klittberg, Orklitt, usw. Vor diese Namen wurden noch vielfach die Farben gesetzt, z.B. Roter Rännås-Porphyr. Die Namen beziehen sich auf Orte, wo das Gestein ansteht, bzw. wo es als Geschiebe gefunden wurde.
Merkmale: Grundmasse dicht, deutlich sichtbare Streifen (Schlieren), die subparallel durch das Gestein ziehen. Die Breite reicht von wenigen Millimetern bis max. 10 cm, auf der angewitterten Oberfläche besonders deutlich, Schlieren meist heller gefärbt als die Grundmasse; Farbe der Grundmasse rot, violett, bräunlich bis fast schwarz; Einsprenglinge von 1 mm bis max. 6 mm, überwiegend idiomorph; Kalifeldspäte rötlich, Plagioklase grünlich bis gelblich ; überwiegend quarzfrei;
Bemerkungen: Oben genannte Vertreter dieser Gruppe werden bei ZANDSTRA 1988 zusammenfassend als „Älvdal-Porphyre" bezeichnet., HESEMANN 1975 fasst sie unter dem Begriff „schlierige Porphyre" zusammen.
Die Dala-Ignimbrite können manchen Småland-Ignimbriten sehr ähnlich sein, was zu Verwechslungen führen kann. Die Småland-Ignimbrite weisen in der Regel eine nicht so hohe Einsprenglingsdichte auf bzw. die Einsprenglinge sind in der Regel kleiner. Die Feldspäte sind weißlich bis rötlich (keine gelben oder grünlichen Farben) und bilden mit der Grundmasse einen nicht so deutlichen Kontrast, wie in den meisten Dala-Ignimbriten.
Die Farbe der Grundmasse in den Småland-Ignimbriten ist grauschwarz, bräunlichviolett, hellrot bis hellgrau. Die Farben scheinen im Vergleich zu den Dala-Ignimbriten nicht so „leuchtend" und intensiv zu sein. Insbesondere kräftiges Rot und ein deutlicher Lilaton scheint für die Dala-Ignimbrite typisch.


6 Bredvad-Porphyr

Die Fläche des Anstehenden des Bredvad-Porphyrs ist im Verhältnis zu der Flächeausdehnung aller anderen Dala-Porphyren am größten. Gesteine die dem Typus Bredvad entsprechen, kann man vom Südende des zentralen Porphyrkomplexes bis nach Härjedalen verfolgen.
Merkmale: Grundmasse makroskopisch nicht auflösbar, aber gröber als die ignimbritischen Porphyre, ziegelrot bis hellrot; wenige Einsprenglinge aus hellrotem Kalifeldspat und grünlichem Plagioklas, Größe bis max. 5 mm; relativ homogenes Aussehen im gesamten Verbreitungsgebiet;
Bemerkungen: Sogenannter „Åsen-Porphyr" scheint nach der Beschreibung nach ähnlich dem Bredvad-Porphyr zu sein, außer dass die Einsprenglinge größer (bis 8 mm) und zahlreicher sind.

7 Porphyrite

Traditionell werden zu den Porphyriten von Dalarna der Venjan-Porphyrit und Roter und Grauer Porphyrit gestellt, welche hervorragende Leitgeschiebe darstellen.

7.1 Venjan-Porphyrit
Der Venjan-Porphyrit ist älter als alle bereits besprochenen Dala-Porphyre und weist einen abweichenden Chemismus auf. Er steht in zwei isolierten Feldern südlich des Siljan-Sees an. Beide Vorkommen variieren in ihrer Ausbildung.
Merkmale: Grundmasse hellgrau, dicht bis feinkörnig (gröber als die sauren Porphyre); zahlreiche Plagioklaseinsprenglinge, 1-4 mm, manchmal auch größer, graugrün, grauweiß; wenige Einsprenglinge von hellrotem Kalifeldspat; Biotiteinsprenglinge bis 3 mm;

7.2 Roter Porphyrit
Roter Porphyrit bildet ein ausgedehntes Gebiet nördlich des Siljan-Sees. Da die Typus-Lokalität der Ort Grönklitt ist, wird er auch als Grönklitt-Porphyrit bezeichnet.
Merkmale: Grundmasse braunrot bis rötlichbraun, violettrot, rot; zahlreiche (bis ca. 40%) kleine grünliche idiomorphe Plagioklase; grüne Aggregate von Amphibol und Epidot sind verbreitet;

7.3 Grauer Porphyrit
Das Anstehende dieses Gesteins ist nicht so groß aufgeschlossen, wie das des Roten Porphyrits, aber Geschiebe kommen mit einiger Regelmäßigkeit vor.
Merkmale: Farbe der Grundmasse grau bis schwarz; idiomorphe Plagioklaseinsprenglinge, grünlich; Einsprenglinge von Augit oder Hornblende oder Biotit; in mehr basischeren Abarten Olivin;


8 Literatur


AHL M, SUNDBLAD K & SCHÖNBERG H 1999 Geology, geochemistry, age and tectonic evolution of the Dala granitoids, central Sweden - Precambrian Research 95, 147-166.

HESEMANN J 1975 Kristalline Geschiebe der nordischen Vereisungen - 267 S., Krefeld (GLA).

HEIM M, SKIÖLD T & WOLFF FC 1996 Geology, geochemistry and age of the „Tricolor" granite and some other Proterozioc (TIB) granitoids at Trysil, southeast Norway - Norsk Geologisk Tidsskrift 76: 45-54, Oslo.

HJELMQVIST S 1966 Beskrivning till berggrundskartona över Kopparbergs Län - Sveriges Geologiska Undersökning Ca 40, Uppsala.

HJELMQVIST S 1982 The porphyries of Dalarna central Sweden - Sveriges Geologiska Undersökning C 782, Uppsala.

LAGERQVIST LO & ÅBERG N 1989 Elfvedals porphyrverk 1788-1885 - Vincent Förlag AB: 144 S., Stockholm.


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LOOSTRÖM R 1916 Die Unterlage der Elfdalgesteine im Kirchspiel Orsa - Bulletin of the Geological Institutions of the University of Uppsala 15, 279-288, Uppsala.

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LUNDQVIST T 1968 Description to Petrological map of the Los-Hamra region - Sveriges Geologiska Undersökning Ba 23, Uppsala.

LUNDQVIST T & PERSSON P-O 1999 Geochronology of porphyries and related rocks in northern and western Dalarna, south-central Sweden - Geologiska Förenigens i Stockholm Förhandlinger 121: 307-322, Stockholm.

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ZANDSTRA JG 1988 Noordedelijke Kristallijne Gidsgesteenten - E. J. Brill: 485 S., Leiden.

ZANDSTRA JG 1999 Platenatlas van noordelijke kristallijne gidsgesteenten - Backhuys Publishers: 412 S., Leiden.