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Älvdal-Porphyr / Ignimbrit:
(Zusammensetzung aus: ignis (lat."Feuer"), imber (lat."Regen") und lithos ("Stein")


Druckansicht.
Ignimbrite sind Gesteine, die bei explosiven Vulkanausbrüchen entstehen.
 
Dabei bilden sich sehr heiße und schnelle Glutwolken, die an den Hängen der Vulkane abgehen. Die dabei transportierten Ascheteilchen, Bims und Gesteinsbruchstücke werden abgelagert und bilden die Ignimbritgesteine mit ihrem typischen Gefüge: Chaotische Ansammlungen von Bruchstücken, Kristallen und flachgedrückten, kurzen Bimsstreifen. Manchmal bestehen Ignimbrite auch fast nur aus Gesteinsbruchstücken.
 

Die Ignimbrite in unserem eiszeitlichen Geschiebe stammen zu einem großen Teil aus dem schwedischen Dalarna. Viele kommen aus der Gegend nördlich vom Siljansee. Insbesondere in der Umgebung von Älvdalen stehen sehr schön gezeichnete und ausgesprochen harte Ignimbrite an.
Diese Gesteine werden als "Älvdalen-Porphyr" bezeichnet.
Sie wurden früher zur Herstellung kunstvoller Objekte (Vasen, Pokale, Ziersteine) verwendet.

 

Der Begriff "Älvdalen-Porphyr" ist ein Oberbegriff für Ignimbrite aus Älvdalen und Umgebung.
Sie zeichnen sich durch eine braunrote bis rotviolette, dichte und sehr harte Grundmasse aus. Einsprenglinge sind meist Feldspäte, gelegentlich auch Quarz. Dazwischen finden sich flachgedrückte, gewellte Streifen, die ehemals Bimsstein waren.
Diese Gesteine haben mit ungefähr 1,7 Milliarden Jahren ein beträchtliches Alter.

 
  Älvdalen-Porphyr. Anstehend bei Orsa, Dalarna. 
 
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Ignimbrit aus Dalarna
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Die wichtigsten Merkmale der Ignimbrite aus Dalarna sind die Kristalleinsprenglinge in einer dichten Grundmasse sowie kurze Streifen von flachgedrückten ehemaligen Bimsfladen. Diese Streifen sind meist leicht gewellt und schmiegen sich um die Einsprenglinge herum. (Die Feldspatkristalle waren bei der Ablagerung schon fertig und wurden zusammen mit dem Bims und dem Material der Grundmasse abgelagert.)
 
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Ignimbritgefüge
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Diese Anordnung der Minerale bezeichnet man auch als "eutaxitisches Gefüge".
 
eutaxitisches Gefüge
 
Die Grundmasse kann unterschiedliche Farben haben. Meist ist sie rotbraun oder violett-schwarz gefärbt.
Das nächste Stück stammt ebenfalls aus dem Anstehenden bei Orsa in Dalarna.
Die Bimsstreifen laufen von oben links nach unten rechts.
 
Älvdalen-Porphyr
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Die typischen Bimsstreifen (Flammen) können auch recht üppig ausfallen.
Allerdings sind solche Ignimbritgefüge selten.
Auch diese Probe stammt aus dem Anstehenden.
 
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Zuletzt noch eine ungewöhnliche und ziemlich seltene Variante eines Älvdalen-Porphyrs.
Dieses Gestein aus der Nähe von Orsa zeigt rundliche Gefügebestandteile (ehemalige Lapilli?).
Mir ist kein Fall bekannt, daß dieser Ignimbrit auch im Geschiebe gefunden wurde.
 
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Ausschnitt:

 
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Zum Schluß noch eine Bemerkung zur chemischen Zusammensetzung der Ignimbrite.

Ob ein Vulkan zum Explodieren neigt oder eher ruhige Ausbrüche mit dünnflüssiger Lava hat, hängt von der Zusammensetzung der Lava ab.
Quarzreiche Magmen sind wesentlich zähflüssiger als quarzarme. Sie bewegen sich nur sehr schlecht und verstopfen den Förderschlot des Vulkans. Daher neigen Vulkane, die quarzreiche (helle) Gesteine fördern, zu explosiven Eruptionen.
Vulkane, die dünnflüssige (dunkle) Basaltmagmen fördern wie zum Beispiel auf Hawaii, sind dagegen relativ "harmlos".
Daher kann man auch schon an Hand der äußeren Form eines Vulkans eine grobe Aussage über sein Gestein machen. Ein quarzreiches Gestein erzeugt steile Bergflanken und damit den typischen Vulkankegel.
Ein Basaltvulkan dagegen, der dünnflüssiges Magma fördert, wird flach und sehr breit.
 
Quarzreiche vulkanische Gesteine werden allgemein als "Rhyolith" bezeichnet.
Würden solche Laven in größerer Tiefe erstarren, entstünden Granite.
Die hier beschriebenen Ignimbrite sind solche quarzreichen Gesteine.
 
Ignimbrite sind weltweit verbreitet und zu allen Zeiten entstanden.
Es gibt neben den sehr alten aus Dalarna auch wesentlich jüngere. Die Gesteine aus dem Oslograben in Norwegen sind jünger als 290 Millionen Jahre (Perm) und ganz junge Ignimbrite finden wir zum Beispiel hier in Deutschland in der Eifel: Am Laacher See und dessen Umgebung. Sie sind dort nur knapp über 10 000 Jahre alt. In so jungen Vulkaniten sind auch die Glas- und Bimsanteile noch frisch und unversehrt. Vulkanite, die sehr alt sind, haben immer ein umgewandeltes Gefüge, da Gesteinsgläser nicht stabil sind und langfristig rekristallisieren.
 
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