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gemeinsame Kennzeichen
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Wiborgite
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porphyrische Gefüge
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Landschaftsbilder

Beschreibung der Gefügetypen auf Rödö

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1. Wiborgite (Komplettansicht)

Wiborgitgefüge findet man auf Rödö in den unterschiedlichsten Varianten. Für deren Gliederung habe ich die Färbung der Ovoide und der Grundmasse als Kriterium gewählt, was eine Einteilung in drei große Gruppen ermöglicht. Diese sind:

Wiborgite mit rötlicher Grundmasse und hellen Ovoiden,
ziegelrote Wiborgite und
orangefarbene Wiborgite.

1.1. Wiborgite mit rötlicher Grundmasse und hellen Ovoiden:

Nach meinen Beobachtungen ist dieser Typ auf Rödö am stärksten verbreitet. Der Alkalifeldspat der Grundmasse ist hell rötlich, rötlichbraun oder ziegelrot, während die Ovoide gelblichbraun, gelblich oder fleischfarben sind und sich heller von der umgebenden Grundmasse abheben.
Der Plagioklas, teils als Saum, teils idiomorph in der Grundmasse, ist in diesen Gefügen sehr oft gelblich, gelegentlich auch braunrot. Diese Wiborgite sehen insgesamt rötlichorange bis kräftig hellrot aus. Beispiele für diese charakteristischen Gefüge folgen hier, alle stammen direkt von Rödö:
typischer Rödö Rapakiwi
Oben: Haupttyp des Rödö-Wiborgits mit hellen Ovoiden in roter Grundmasse. Loser Stein vom Westufer der Insel Rödö, angefeuchtet.

Es gibt in ganz Fennoskandia keinen weiteren Wiborgit, der eine so intensive hellrote Gesamtfarbe aufweist. Das zweite prägende Kennzeichen sind die großen, gerundeten und hellen Quarze, die Durchmesser bis 5 mm erreichen. Die folgenden Nahaufnahmen zeigen das typische Gefüge dieser Rapakiwis.
Rodo rapakivi from Sweden
Hellrötliche Grundmasse (Kalifeldspat), darin große, hellere Ovoide (ebenfalls Alkalifeldspat), umgeben von einem oft gelblichem Saum aus Plagioklas. Oft ist der Plagioklassaum kräftig ausgebildet, also mehrere Millimeter dick.
Gefüge vom Rödö Rapakiwi
Beachten Sie die runden Quarze im Bild oberhalb. Sie sind in dieser Form ein wichtiges Kennzeichen für Rödö, denn hier sind diese Quarze (erste Generation) nicht so tief korrodiert wie zum Beispiel auf Aland (Åland). Das trifft zwar nicht auf jedes einzelne Quarzkorn zu, aber doch auf einen großen Teil. Erkennbar ist das an den weniger stark gefurchten und eher glatten Rändern der großen Quarze.

Hier noch einmal, sozusagen zur Wiederholung, die wichtigsten Bestandteile eines Wiborgits.
(Die beschrifteten Elemente sind typisch für alle Wiborgite, egal, woher sie stammen.)
Grundmasse und graphische Verwachsungen in einem Rapakiwi
Im Bild ist auch eine dritte Quarzgeneration enthalten. So etwas findet man hin und wieder, dies ist kein für Rödö spezifisches oder sonstwie besonderes Merkmal. Unten das unbeschriftete Bild.
texture of rapakivi
Eine weitere Nahaufnahme dieser für alle Wiborgite wichtigen Komponenten finden Sie hier weiter unten.
Um diese Einzelheiten zu erkennen, benötigen Sie immer eine 10fach vergrößernde Lupe, denn ohne diese können Sie die kleinen Quarze in der Grundmasse nicht erkennen - und ohne diese können Sie nicht mal Rapakiwis als solche sicher bestimmen.

Zur Bestimmung ist es zweckmäßig, den Stein naß zu machen, denn das erleichtert die Beobachtung der feinen Details erheblich. Der gleiche Stein sieht trocken so aus:
Rödörapakiwi trocken
Die auffällige, hellrötliche Farbe ist noch deutlich erkennbar, ebenso der hohe Quarzanteil, also die weißen, runden Flecken. Beachten Sie die Löcher oben links und rechts. Dort war ursprünglich Kalzit, der inzwischen ausgewittert ist. Siehe dazu auch die Anmerkungen auf Seite 2.

Eine etwas blassere Variante des gleichen Typs sieht so aus:
Rodo

Mehrfach habe ich Formen mit sehr blassen Ovoiden gefunden. Dazu zwei Beispiele, die beide ebenfalls von der Westseite Rödös stammen:
Rödörapakivi mit deutlich hellen Ovoiden
Bei dieser Ausbildung ist die Farbe der Grundmasse noch kräftig rot, während die Ovoide schon deutlich aufgehellt sind.

Es geht aber noch blasser. Beim nächsten Beispiel unten ist auch die Grundmasse aufgehellt.
Dieser blasse Wiborgit unterscheidet sich farblich zwar sehr vom Haupttyp (oben), zeigt aber noch genügend charakteristische Eigenschaften, um als Gestein von Rödö sicher erkannt zu werden. Das sind vor allem die großen Ovoide, die kleinen Quarze in der Grundmasse sowie die vielen großen, hellen, gerundeten Quarze. So helle Gefüge wie hier unterhalb kommen im Anstehenden aber nur vereinzelt vor.
heller Rödö-Rapakiwi mit Wiborgitgefüge

Unten: immer noch der gleiche Stein, anderer Ausschnitt mit mehr Quarz (Qz1)


Das nächste Beispiel zeigt einen typischen Wiborgit von Rödö mit einer blaßbraunen Färbung, geschnitten und poliert.
Rödö-Rapakivi
In den folgenden beiden Vergrößerungen sehen Sie noch einmal die für Wiborgite wesentlichen Einzelheiten. Das sind neben den beiden Generationen von Kalifeldspat (Einsprenglinge + Grundmasse) die beiden Quarzgenerationen, wobei besonders die kleinen Quarze (Qz2) wichtig sind. Sie bilden in der Grundmasse graphische Verwachsungen mit dem Alkalifeldspat. Ohne dieser kleine Quarzgeneration ist das Gestein kein Wiborgit.
Rödö Rapakiwi    
Von diesem Bild gibt es eine besonders große Variante (3000 x 2000 Pixel).

Wenn Ovoide keinen Plagioklassaum haben, dann sind sie oft von einem Kranz aus radialstrahlig gewachsenen winzigen Quarzen umgeben. Unten sehen Sie dies am linken großen Feldspat.
graphic texture in rapakivi

Der nächste Rödö-Rapakiwi ist bunter als die bisherigen. Er fällt durch einen ziemlich großen Ovoid auf (vorn links), der einen undeutlichen Saum aus hellgraugelblichem Plagioklas hat. Außerdem ist ein weißes Mineral vorhanden. Das ist aber kein Kalzit, sondern ein Feldspat.
Rödörapakivi
Um zu entscheiden, ob es sich um Kalzit handelt, hilft schon eine einfache Ritzprobe. Kalzit ist weich und leicht zu ritzen, Feldspäte leisten deutlich mehr Widerstand.
Rodorapakivi
Wenn Sie kein geeignetes Werkzeug für eine Ritzprobe zur Hand haben oder die fraglichen Minerale sehr klein sind, hilft 10-prozentige Salzsäure. Sie sollte ohnehin zur Ausrüstung im Gelände gehören.
Wenn Sie Salzsäure auf Kalzit tropfen, schäumt dieser. In der folgenden Animation ist das zu sehen.
Kalzit mit Salzsäure
Klicken Sie auf eines der beiden Bilder, um eine Animation zu starten. Wenn Sie können, nehmen Sie das größere Bild unten (9 MB), sonst, bei einer langsamen Verbindung, die kleine Variante hier links (2 MB).
  
Sie sehen, daß nur das kleine Kalzitstück (CaCO3) in der Vertiefung reagiert, der Rest des Steins bleibt von der Salzsäure völlig unbeeindruckt. Rechts oben bleibt der Salzsäuretropfen liegen, denn Salzsäure greift weder Quarz noch Feldspäte an.


test HCL

Gefügewechsel:
In jedem Granitpluton findet man eine Vielzahl unterschiedlichster Gefüge, Rapakiwis machen da keine Ausnahme. Der Übergang von einem zum anderen Gefüge vollzieht sich manchmal ganz allmählich, manchmal abrupt auf wenigen Zentimetern. Mit etwas Glück passen sogar zwei unterschiedliche Gefüge auf einen einzigen Stein. Dazu zwei Beispiele von Rödö:



Beim Nächsten ist der Wechsel noch eindrucksvoller. Zuerst die Vorderseite:

von hinten sieht das gleiche Stück aber so aus:

Zum Schluß noch Nahaufnahmen vom Stein oberhalb.
Hier sind alle Kennzeichen versammelt, die einen der Haupttypen von Rödö auszeichnen:
Große Kalifeldspäte, teilweise von gelblichgrauem Plagioklas gesäumt, große, helle Quarze, in der Grundmasse Alkalifeldspat in graphischer Verwachsung mit Quarz, wobei die kleinen Quarze verschiedene Umrisse zeigen. Probe vom Südwestufer Rödös.

Unterhalb: Heller Plagioklas, teils als Saum, teilweise eigenständig, hellrötlicher Alkalifeldspat und Quarze in zwei Generationen: Groß und rund die erste, klein und vielgestaltig die zweite.

Besonders hübsch sind die Rosetten aus winzigen Quarzen, die sich um Kalifeldspäte gebildet haben:


1.2. Ziegelrote Wiborgite - und ihre Doppelgänger von Nordingrå und Hammarudda.

Die ziegelroten Wiborgite sind nach meinen Beobachtungen die zweithäufigste Form auf Rödö. Ihr gemeinsames Merkmal sind intensiv rote Ovoide in einer ebenso roten Grundmasse. Das Verhältnis von Grundmasse und Ovoiden ist unterschiedlich: Ein Teil dieser Wiborgite enthält sehr viel feinkörnige Grundmasse, andere dagegen auffallend wenig.
Zuerst aber ein Blick auf das Anstehende auf der Insel Rödö, Südwestküste, nördlich von Svånken (Im Hintergrund Alnö, Blick nach Westen):
Uferfelsen im Rapakivi, Rödö, Schweden
In der Vergrößerung können Sie erkennen, daß rechts vorn der Rapakiwityp mit den hellen Ovoiden ansteht (Seite 3), während der Granit in der Bildmitte ein intensiveres Rot zeigt.
Die Nahaufnahme unterhalb zeigt den Übergang von einem Gefüge in das andere. Der kräftige Farbton ist direkter Sonne geschuldet, zusätzlich hatte ich die Oberfläche des Felsens angefeuchtet.
rapakivi granite close up - island of rodo, near Sundsvall, Sweden
Die hellen Ovoide kommen im Bild vor allem nur unten und rechts vor, das Viertel oben links ist dagegen fast vollständig rot gefärbt. Solche Gefüge wie hier im Bild oben links meine ich mit "ziegelrotem Wiborgit". Andere ziegelrote Varianten sehen Sie hier unten:

In der Bildmitte ein großer Block vom ziegelroten  Typ. Die grauen Gneise sind Nahgeschiebe aus dem benachbarten svekofennischen Wirtsgestein, in das der Rödö-Rapakiwi eingedrungen ist. Einige Gerölle sind dunkle Ganggesteine, die zum Rödöpluton gehören. (Rödö, Südwestküste bei Stenviken)

Schaut man sich die roten Wiborgite genau an, fällt das stark schwankende Verhältnis von Ovoiden zu Grundmasse auf. Das erste Bild zeigt eine Variante mit viel Grundmasse.
ziegelroter Rödörapakiwi mit viel Grundmasse
Loser Stein von Stenviken im Südwesten von Rödö.

Die ziegelrote Farbe allein ist nicht spezifisch für Rödö. Um rote Rapakiwis einem Herkunftsgebiet zuordnen zu können, müssen die großen hellen Quarze hinzukommen, und die rundlichen Alkalifeldspäte müssen deutlich größer als 1 cm sein - andernfalls kommt auch Nordingrå als Herkunft in Frage. Das erfordert bei so gleichmäßig roten Gefügen ein genaues Hinsehen, da die Korngrenzen wenig auffällig sind.
ziegelroter Rödörapakiwi mit viel Grundmasse
Ausschnitt:
brick red rapakivi from Sweden - detail
  
Von gleicher roter Farbe, aber von ganz anderem Aussehen sind die Varianten mit wenig Grundmasse.
ziegelroter Rödörapakiwi mit wenig Grundmasse
Ziegelroter Wiborgit, wenig Grundmasse, der Qz1 dominiert. Loser Stein, ebenfalls Stenviken, Rödö.
ziegelroter Rapakivi  von Rödö - Detail
Unten und oben: Vergrößerungen aus diesem Stein. Das Gefüge besteht überwiegend aus ungesäumten Ovoiden (Alkalifeldspat), dazu die auffälligen großen Quarze. Die kleinen Quarze der 2. Generation sind nur ganz spärlich vorhanden.

Dieser Gefügetyp hier oben ist de facto kein richtiger Wiborgit mehr, denn es gibt kaum noch Säume um die Ovoide und von den kleinen Quarzen gibt es viel zu wenige. Dieses Gefüge hat keinen Namen, was aber auch nicht nötig ist. Entscheidend bleibt, daß gerade dieses ungewöhnliche Gestein einen guten Leitgeschiebetypus abgibt, denn solche Rapakiwis gibt es nur auf Rödö.

Verwechselungsgefahr:
Es gibt bei ziegelroten Rapakiwis sehr ähnliche Gesteine im nördlich benachbarten Gebiet des Nordingrå-Rapakiwis sowie auf Åland. Das gilt insbesondere für die Varianten mit viel Alkalifeldspat, wenig Plagioklas und viel Grundmasse zwischen den Ovoiden. Daher reicht es nicht aus, nur auf die Farbe des Steins, die hellen Quarze und graphische Verwachsungen zu achten.
> Wenn die Ovoide groß sind (1,5 cm und mehr) und in ihrer Mehrzahl einen kräftigen, gelblichen Plagioklassaum haben, ist das Gestein sicher von Rödö. Fehlen jedoch Plagioklas und dunkle Minerale weitgehend, ergibt sich ein roter Rapakiwi, der fast nur aus Alkalifeldspat und Quarz besteht. Dann besteht Verwechselungsgefahr mit den anderen Vorkommen. Zum Vergleichen zuerst noch eine Probe von Rödö (geschnitten und poliert):

Ausschnitt:

ABER: 
Unten sehen Sie ähnliche Gefüge in Rapakiwis von Nordingrå.
ziegelroter Rapakiwi von Nordingra (Angermanland)

Oben: Plagioklasarmer Nordingrå-Rapakiwi. Strandgeröll auf dem Anstehenden in Norrfällsviken, Halbinsel Mjällom, Ångermanland, naß fotografiert.
       
Zwar unterscheiden sich die beiden Gefüge hier oberhalb in der Form der graphischen Verwachsungen, aber deren Ausbildung schwankt auf Rödö ebenso wie in Nordingrå. Allein der etwas größere Gehalt an Plagioklas (gelb) und die größeren Qz1 im Rödö-Gestein sind ein Anhaltspunkt zur Unterscheidung. Die rundlichen Alkalifeldspäte sind im Nordingrå-Gebiet tendenziell kleiner, aber es gibt Überschneidungen, also Gebiete, in denen die Ovoide gleich groß sind.

Das nächste Bild zeigt eine etwas brauner getönte Variante, ebenfalls von Nordingrå, in der die graphischen Verwachsungen kantig und auch fischförmig ausgebildet sind. Die großen Quarze sind hier ein wenig dunkler als in den allermeisten Rödö-Gesteinen. Insel Ulvö, Nordingrå-Gebiet, polierter Schnitt:

Detail_Rapakiwi_Nordingra
Das helle Mineral oben rechts im Bild ist Kalzit. Links von der Bildmitte ist ein unregelmäßiger heller Einschluß von Epidot, der beim Polieren angerauht wurde und daher fast weiß aussieht. Unbeschädigt ist der Epidot hellgrün.

Der einzige durchgehend erkennbare Unterschied der Gesteine von Rödö und Nordingrå besteht in der Größe der großen Quarze, denn die sind in Nordingrå kleiner als in den Rödö-Gesteinen. Die Grenze liegt bei 3 mm. Darüber Rödö, darunter Nordingra (und einige Rödö-Gesteine, die sich dann nicht unterscheiden). Die großen Quarze sind in den Rödö-Gesteinen außerdem fast immer ein wenig (!) heller als in Nordingrå. Allerdings ist dieser Unterschied wirklich minimal.

Daß die kleinen Quarze in den Bildern unterschiedlich aussehen, ist nicht so wichtig, denn es gibt einfach zu viele verschiedene Ausbildungen, vor allem in Nordingrå. (Ich benutze den Namen "Nordingrå" hier für das Rapakiwivorkommen insgesamt und nicht bezogen auf den Ort.)

Leider gibt es noch einen weiteren "Doppelgänger". Er stammt von Åland, genauer gesagt aus dem Quarzporphyrgang von Hammarudda:
Vergleich Hammarudda - Nordingra
Das abgebildete Stück von Hammarudda (links im Bild) ist dort nur eine von mehreren Varianten, die fast alle rote Alkalifeldspatovoide enthalten. Wenn bei diesem Gestein die Grundmasse nicht dicht ist, sondern erkennbare kleine Quarze enthält, besteht Verwechselungsgefahr mit den plagioklasarmen, ziegelroten Rödö-Gesteinen (rechts). Der Hammarudda-Porphyr unterscheidet sich nur durch geringfügig dunklere Quarze.  Im Bild hier ist das im direkten Vergleich erkennbar, aber diese Möglichkeit hat man bei der Bestimmung von Geschieben im Gelände nicht.
Hammarudda
Bild oberhalb: Ein zweites Beispiel für einen rödöähnlichen Hammarudda-Porphyr, der von Aland stammt.
Details unten. Anderes Handstück, gleiches Vorkommen.
Porphyr von Hammarudda, Aland

Angewittert sehen diese Porphyre so aus:



Als Schlußfolgerung aus den gezeigten Beispielen bleibt.
> Kräftig rote Rapakiwigranite mit viel Alkalifeldspat, nicht zu großen Ovoiden (um 1 cm) und wenig Plagioklas sind sich auf Rödö, Nordingrå und Hammarudda (Aland) so ähnlich, daß sie nicht sicher zu unterscheiden sind.
Deshalb sind Rapakiwis mit roten Ovoiden ohne Plagioklassaum keine Leitgeschiebe.

Sind die großen Quarze kleiner als 3 mm, dann spricht dies tendenziell für Nordingrå, aber ein sicheres Kennzeichen ist dies nicht. Auch die Farbe der Qz1 ist in den verschiedenen Vorkommen sehr ähnlich, in Nordingrå sind sie insgesamt geringfügig dunkler, im Hammarudda-Porphyr ist selbst das nicht sicher.
Nur kräftige Plagioklassäume um Ovoide oder ungesäumte Ovoide von deutlich über 1,5 - 2 cm Durchmesser sind ein sicheres Kennzeichen für Rödö. Dazu kommen auf Rödö noch viele große Qz1, die über 3 mm messen und wirklich hell sind.

Ein solches, leitgeschiebetaugliches Gefüge zeigt das folgende Bild.


Oben und unten: Rödö-Rapakiwi, rote Form mit viel Grundmasse, dazu ein kräftiger Plagioklassaum.
Dieser ziegelrote Typ kommt nur auf Rödö vor und ist ein gutes Leitgeschiebe.


Im Gelände sieht das Gestein so aus:
roter Rapakiwigranit von Rödögubben


Auch auf der östlichen Insel Rödskäret war dieser Typ anzutreffen - neben diversen anderen Gefügen.

Nachzutragen bleibt, daß die verwechselbaren Gefügevarianten (mit wenig oder ohne Plagioklas) in den drei Vorkommen von Rödö, Nordingrå und Åland jeweils nur einen kleinen Teil des Anstehenden ausmachen.

Zum Schluß noch ein Stück, dessen Gefüge ziemlich aus dem Rahmen fällt und keinem bisherigen gleicht. Dieses Gestein ist zwar heller als die bisher gezeigten ziegelroten Typen, ähnelt aber den hier weiter oben abgebildeten Formen mit wenig Grundmasse und ungesäumten Ovoiden.
Dieser hier hat aber praktisch gar keine Grundmasse mehr und besteht im wesentlichen aus Ovoiden (ohne Saum) und grobem Quarz zwischen den großen Feldspäten.

Die kleineren Quarze sind vereinzelt auf den Korngrenzen zu finden und eine dritte Generation von Quarz bildet winzige Grüppchen auf den Außenseiten einiger großer Feldspäte. In der Vergrößerung des unten folgenden Bildes sind diese Säume oben links zu sehen, ebenso rechts vom gelbgesäumten, fast viereckigen Kalifeldspat. Trotz des recht groben Gefüges ist das hier kein Pyterlit, dazu müßten die Quarze um die Ovoide kantig sein. (Pyterlite sehen so aus)

In der letzten Vergrößerung ist einer der großen Ovoide in der unteren Bildhälfte angeschnitten.
Schön zu erkennen ist, daß in diesem Feldspat winzige Quarze eingelagert sind, dazu auch blaßgelbe Plagioklase. Die Durchdringung bzw. Einlagerung von anderen Mineralen ist auch bei anderen Rapakiwis immer wieder zu beobachten. Die Gastminerale im Alkalifeldspat sind in der Regel Quarz, Plagioklas und selten auch mal Biotit.


1.3. Orangefarbene Wiborgite

Die orangeroten bilden die kleinste Gruppe der Wiborgite auf Rödö, aber wegen ihrer auffälligen Farbe sind sie kaum zu übersehen. Das erste Bild zeigt eine Form mit viel Grundmasse und schönen Ovoiden.
Rödö-Rapakiwi, orangefarben, Wiborgitgefüge
Die beiden Vergrößerungen unterhalb zeigen die Mitte dieser Ansicht, gut erkennbar die körnigen Quarze in der Grundmasse.

Grundmasse mit kantigen Quarzen, Rödö-Rapakiwi

Das nächste Beispiel enthält einen eher grünlichen Plagioklas. Auch hier sind die kleinen Quarze körnig geformt, was insgesamt bei den Gesteinen auf Rödö überwiegt. Zuerst der trockene Stein, dann die angefeuchtete Oberfläche. Herkunft: Südweststrand von Rödö (Stenviken)

Die drei Nahaufnahmen zeigen wieder die nasse Oberfläche.


Bild unterhalb: Runde Plagioklase (hier grünlich) kommen immer mal vor und sind nichts Ungewöhnliches. Dabei kann es sich entweder um einen tatsächlich gerundeten Plagioklas handeln, der dann zur ersten Feldspatgeneration gehört. Es ist aber auch möglich, daß wir hier auf den äußeren Rand eines im Stein steckenden, größeren Kalifeldspats mit Plagioklasmantel schauen und dieser Saum zufällig genau an der Oberfläche des Gerölls liegt.


Auch bei den orangefarbenen Rödö-Gesteinen gibt es Gefüge, die sich durch einen höheren Quarzanteil und nur wenig Grundmasse auszeichnen.
Beim folgenden Beispiel vollzieht sich der beginnende Übergang zum Pyterlit. Erkennbar ist das an den schon teilweise kantigen Quarzen und dem weitgehenden Fehlen feinkörniger Grundmasse.
Das Gestein stellt aber noch eine Zwischenform dar, denn es sind noch viele große gerundete Quarze und auch sehr kleine Qz2 vorhanden. In einem voll entwickelten Pyterlit wären alle Quarze um die Feldspäte herum kantig, mindestens 1 - 2 mm groß, und die graphischen Verwachsungen würden vollständig fehlen. Außerdem wären die korrodierten Quarze der ersten Generation nur noch sehr spärlich zu finden. (Zum Vergleich ein Pyterlitgefüge)


In diesen Ausschnitten hier fehlen die Ovoide. Ein Geschiebe, das nur so aussieht, könnte man auch als porphyrischen Rapakiwi bezeichnen.

Das letzte Beispiel (unten) zeigt ebenfalls ein Übergangsgefüge. Solche Mischtypen, für die es keine Bezeichnungen gibt und die man am besten mit einer knappen Beschreibung skizziert, sind in vielen Rapakiwiplutonen Fennoskandiens anzutreffen und oft prägen diese Mischgefüge das Anstehende über weite Strecken.
Bei diesem Gestein ist es insbesondere das grobe Gefüge mit einzelnen Ovoiden, gelbgrünem Plagioklas, der vereinzelt Säume um runde Kalifeldspäte bildet und dazu der hohe Quarzgehalt mit heller Farbe, der für die Herkunft von Rödö steht.


Zuletzt noch ein Ausschnitt von einem anderen, aber sehr ähnlich aussehendem Rödö-Rapakiwi, ebenfalls aus dem Süden Rödös. Wir sehen ein porphyrisches Gefüge, das schon in Richtung eines gleichkörnigen Granits mit ungefähr gleich großen Kalifeldspäten überleitet. Mit diesem Bild verlassen wir die Gruppe der Wiborgite, die sich gut und eindeutig auch als Geschiebe erkennen lassen. Wenn die rundlichen Feldspäte verschwinden und zunehmend durch kantige, mehr oder wenige große Kalifeldspäte ersetzt werden, verändert sich das Aussehen der Gesteine zusehens, verbunden mit einem Verlust an eindeutigen Herkunftsmerkmalen.

 

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