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Ein Berg aus Eisenerz - Taberg


Titanomagnetitolivinit vom Taberg

Zusammenfassung     english summary

Lagekarte

Im südschwedischen Ort „Taberg“ gibt es einen gleichnamigen Berg aus Eisenerz. Sein Gestein ist feinkörnig, homogen und von schwarzer bis dunkelbrauner Farbe, durchsetzt mit winzigen, metallisch glänzenden Körnern. Dieses Gestein besteht fast völlig aus Olivin und Magnetit und zieht einen Dauermagneten kräftig an. Zusätzlich ist es von sich aus schwach magnetisch.
Das Erz vom Taberg wurde seit dem Mittelalter zur Gewinnung von Eisen abgebaut. Der Bergbau wurde inzwischen eingestellt und das Gelände steht unter Naturschutz.

Blick auf den Taberg
Bild 1: Der Taberg überragt den kleinen Ort
Titanomagnetit-olivinit
Bild 2: Das Erz vom Taberg mit anhaftendem Magnet


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Ausführliche Beschreibung

Der Taberg ist eine Sehenswürdigkeit, denn ein aus dem Boden ragendes Eisenerzlager findet man nun wirklich nicht häufig. So lag auch die bereits im Mittelalter begonnen Eisengewinnung nahe. Dabei begnügte man sich lange Zeit damit, die losen Brocken am Fuße des Berges zu verarbeiten, denn ein so müheloser Zugang zum Erz war einfach ideal.
Im Gegensatz zu den anderen Eisenerzen besteht dieses hier vor allem aus Olivin und Magnetit. Wegen des hohen Olivingehalts wird es als „Olivinit“ bezeichnet. Dazu kommt der Magnetit, der etwa ein Drittel des Gesteins ausmacht und da der Magnetit zusätzlich noch Ilmenit und Spinell enthält, wird er als „Titanomagnetit“ bezeichnet. Daraus ergibt sich dann der komplette Gesteinsname: „Titanomagnetitolivinit“. (Zur besseren Lesbarkeit kann man es auch „Titanomagnetit-olivinit“ schreiben.)
Hjelmqvist[1] zeigt in seiner Beschreibung von 1950 eine Reihe von Dünnschliffen.

Dünnschliff von Titanomagnetit-olivinit
Bild 3: Titanomagnetitolivinit besteht aus Olivin (grau)
und Magnetit (schwarz). Das Weiße ist Plagioklas.

Die Bildbreite dürfte bei einigen Millimetern liegen.[2]
Damit ist das Erz ein ultrabasisches Gestein mit sehr wenig SiO2 und gleichzeitig auch ein ultramafisches Gestein, da es fast keine hellen Minerale enthält.

Im Handstück ist das Erz schwarz bis dunkelbraun und kommt in zwei Varianten vor: einerseits feinkörnig-massig und andererseits mit schlanken Plagioklaskristallen.

Titanomagnetit-olivinite
Bild 4: Feinkörniges Erz vom Taberg

Die Minerale im feinkörnigen, massigen Erz sind kleiner als 1 mm. Mit der Lupe erkennt man nur winzig kleine, metallisch glänzende Körnchen (Magnetit), die in eine schwarze Masse eingebettet sind. Das ist der alterierte Olivin, was man aber ohne ein Mikroskop nicht erkennt.
Das Erz zieht einen Dauermagneten ungewöhnlich stark an und ist auffällig schwer.

Titanomagnetitolivinit
Bild 5: Erz mit Plagioklaseinsprenglingen

Die Gefügevariante mit Plagioklasen hat die gleiche Grundmasse wie das massige Erz. Mit seinen schlanken Plagioklasen ist es rein äußerlich von einem Dolerit nicht zu unterscheiden.

Manche der Plagioklase bilden sternförmige Gruppen. Das ist aber keine Besonderheit des Tabergs, denn solche Plagioklassterne gibt es auch in anderen Gesteinen.

Plagioklassterne
Bild 6: Sternförmige Plagioklase
Plagioklase twins
Bild 7: Die Schmalseiten zeigen Plagioklaszwillinge

 

Ein Besuch lohnt sich

Von Süden her ist hat man einen leichten Zugang zum Berg und zum Erz. Dort sieht man überall die Reste des Bergbaus, der um 1890 eingestellt, aber in den 1930er Jahren für kurze Zeit wieder aufgenommen wurde. Damals hat man dann auch unter Tage gearbeitet.

Taberg
Bild 8: Die Südseite des Berges fällt steil ab
Stollenmundloch
Bild 9: Stollenmundloch aus der späten Bergbauzeit

Da es auf den Halden reichlich Erz gibt, kann man die magnetische Wirkung selbst prüfen.

Iron ore
Bild 10: Magnete werden kräftig angezogen
Kompass und Magnetfeld
Bild 11: Auch ein Kompass wird beeinflusst

Dass ein Gestein mit viel Magnetit einen Dauermagneten anzieht, ist nicht überraschend. Das beobachtet man auch bei anderen Gesteinen, wenngleich hier die Anziehung besonders stark ist.
Der Taberg hat aber zusätzlich auch einen Eigenmagnetismus, der das natürliche Magnetfeld der Umgebung stört. Nähert man sich mit einem Kompass, gerät dessen Nadel in heftige Bewegung.

Eisenerz mit Eigenmagnetismus
Bild 12: Das rote Ende der Nadel ist links
Eisenerz mit Eigenmagnetismus
Bild 13: Etwas zurück und schon dreht sich
die Nadel um fast 180°. Das rote Ende ist jetzt rechts.

In Zeiten, in denen man in der Luftfahrt allein mit dem Kompass navigierte, war so ein magnetisch wirksamer Berg überaus störend, denn er beeinflusst einen Kompass auch auf mittlere Entfernung.

Blick vom Taberg
Bild 14: Blick vom Taberg über Småland
Nebel am Taberg
Bild 15: Herbstnebel

Geschiebefunde

Das Erzvorkommen vom Taberg ist weniger als einen halben Quadratkilometer groß und vergleichsweise winzig. Trotzdem könnte es vereinzelte Geschiebe von dort auch bei uns in Deutschland geben, wenn auch nur sehr selten. Die Frage lautet: Könnte man so ein Stück Erz als losen Fund erkennen?
Auf den ersten Blick erscheint das aussichtslos, denn das Äußere liefert keinen Anhaltspunkt. Ein dunkles feinkörniges Gestein ohne Einsprenglinge, das auf einen Magneten reagiert, wird sehr viel wahrscheinlicher ein Basalt sein. In der Variante mit den Feldspäten gleicht das Erz einem Dolerit und ist rein äußerlich ebenfalls nicht zu unterscheiden. Dazu kommt, dass Dolerite vergleichsweise häufige Gesteine sind. Allenfalls die vielen kleinen glänzenden Magnetitkörnchen könnten ein Hinweis sein – zusammen mit der Tatsache, dass dieses Erz einen Magneten sehr viel stärker anzieht als andere Gesteine. Das zu beurteilen setzt allerdings viel Erfahrung voraus.
Eine Besonderheit jedoch hat dieses Erz aber, nämlich seine außerordentlich hohe Dichte.

Bestimmung der Dichte

Dichte ist das Verhältnis von Volumen zu Gewicht und hängt bei einem Gestein von den Mineralen ab, aus denen es besteht. Das sind beim Erz vom Taberg praktisch nur Olivin und Magnetit. Beide haben eine hohe Dichte: Olivin liegt bei etwa 3,3 bis 3,6 und Magnetit bei etwa 5.
Eigene Messungen an mehreren Proben vom Taberg ergaben Dichten zwischen 3,7 und 3,8. Das ist weit entfernt von „normalen“ Gesteinen wie Basalt oder Dolerit, die eine Dichte von 3 oder 3,1 besitzen. Damit kommen alle ähnlich aussehenden Gesteine nicht einmal in die Nähe dieses Erzes.
Das Gefüge ohne Feldspäte könnte man eventuell noch mit einem feinkörnigen Hyperit verwechseln. Aber der enthält wenig oder kein Magnetit und ist ebenfalls immer viel weniger dicht – also bei gleichem Volumen erkennbar leichter.
Damit ist eine Dichte von 3,7 und mehr ein starkes Indiz für das Erz vom Taberg, wenn alle anderen Merkmale übereinstimmen.
Allenfalls ein Bändereisenerz kann eine ähnlich hohe Dichte aufweisen. Da es gestreift aussehen wird, kann man es mit dem Gestein vom Taberg aber nicht verwechseln.
Mehr zu Dichtebestimmung bei Gesteinen finden Sie hier.

Alle Proben stammen vom Taberg: N57.67846 E14.08353

Literatur

[1] Hjelmqvist, Sven: The Titaniferous iron-ore deposit of Taberg in the South of Sweden, Stockholm 1050, SGU, Ser. C, Nr. 512
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[2] Hinweis zur Bildgröße: Im Text wird eine 10fache Vergrößerung angegeben. Das hilft wenig bei der Frage, wie groß der Bildausschnitt tatsächlich ist, denn die Angabe der Vergrößerung kann sich nur auf die Abbildung im Buch beziehen. Deren Größe ist unbekannt. Deshalb sollten Größenangaben immer absolut sein: Entweder ein Maßstab im Bild oder Angabe der Bildbreite. (zurück zur Textstelle)

 

Druckfassung (PDF)

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Titanomagnetite olivinite from Taberg

In the southern Swedish village "Taberg" there is a mountain of iron ore. Its rock is fine-grained, homogeneous and black to dark brown. This rock consists almost entirely of olivine and magnetite and strongly attracts a permanent magnet. In addition, it is weakly magnetic in itself.
The Taberg ore has been mined since the Middle Ages to extract iron. Mining has been stopped in the meantime and the area is under protection.
In contrast to the other iron ores, it consists mainly of olivine and magnetite. Because of its high olivine content it is called "olivinite". In addition, there is the magnetite, which makes up about one third of the rock. Because the magnetite also contains ilmenite, it is "titaniferous magnetite" or „titanomagnetite“. This results in the complete name of the rock: "Titanomagnetite olivinite".
Picture 3: Titanomagnetite olivinite under the microscope. The grey grains are olivine and all black is magnetite. White is plagioclase.[1]

The ore is an ultrabasic rock with very little SiO2 and at the same time an ultramafic rock, as it contains practically no light minerals.
The ore occurs in two varieties. On the one hand fine-grained massive and on the other hand with thin plagioclase crystals.
Picture 4: The fine-grained ore from the Taberg, picture 5 shows the ore with plagioclase phenocrysts.
The minerals in the fine-grained, massive ore are smaller than 1 mm. With a magnifying glass you can see only tiny, metallically shiny grains (magnetite) embedded in a black mass. This is the altered olivine, which cannot be seen without a microscope.
The ore attracts a permanent magnet unusually strongly and is remarkably heavy.

The second texture (with plagioclases) has the same ground mass as the massive ore. With the slender plagioclases it is not possible to distinguish from a dolerite.

Figure 6: star-shaped plagioclase, Figure 7: the narrow sides show plagioclase twins
Some of the plagioclases form star-shaped groups. But this is not a peculiarity of Taberg, because such plagioclase stars are also found in other rocks.

A visit to Taberg is worthwhile. From the south you have easy access to the mountain and the ore. There are remnants of mining everywhere, which was stopped around 1890, but was resumed for a short time in the 1930s. At that time they also worked underground.
Since there is plenty of ore on the stockpiles, you can test its magnetic effect yourself.

Figure 9: Permanent magnets attract the ore. Picture 10: Even a compass is influenced.

But the Taberg has its own magnetism, which disturbs the natural magnetic field of the environment. If you approach with a compass, its needle starts moving violently.
Figure 11: The red end of the compass needle points to the left Figure 12: A few centimeters back and the needle turns almost 180°. The red end is now on the right.
In times when navigating in aviation alone with the compass, such a magnetically effective mountain was extremely disturbing, because it influences a compass even at medium distances.


Erratics

The Taberg ore deposit is less than half a square kilometre in size and comparatively tiny. Nevertheless, there could be isolated erratics from there also here in Germany, even if only very rarely. The question is: Could such a piece of ore be recognised as a glacial erratic?
At first glance, this seems hopeless, because the exterior does not provide any clue. A dark, fine-grained rock without phenocrysts that reacts to a magnet is much more likely to be basalt. In the variant with the feldspars, the ore resembles a dolerite and is also indistinguishable. At best, the many small shiny magnetite grains could be an indication - together with the fact that this ore attracts a magnet much more strongly than other rocks. To judge this, however, a lot of experience is required.

But this ore has one special feature, namely its extremely high density.

Determining the density

Density is the ratio of volume to weight and, in the case of a rock, depends on the minerals of which it consists. In the case of Taberg ore, these are almost only olivine and magnetite. Both have a high density: olivine is about 3.3 to 3.6 and magnetite about 5.
Own measurements on several samples from the Taberg have shown densities between 3.7 and 3.8, which is far from "normal" rocks like basalt or dolerite, which have densities of 3 or 3.1. Thus, all similar looking rocks do not even come close to Taberg ore with its density of 3.7 to 3.8.

The ore without feldspars could possibly still be mistaken for a very fine-grained hyperite. But this contains little or no magnetite and is also always much less dense - i.e. noticeably lighter for the same volume.
So a density of 3.7 and more is a strong indication for the Taberg ore, if all other characteristics are also the same.
At best, banded iron ore can have a similarly high density. Since it will have a striped appearance, it cannot be confused with the Taberg rock.

More about density determination in rocks can be found here.

All samples are from Taberg: N57.67846 E14.08353

Literature

Hjelmqvist, Sven: The Titaniferous iron-ore deposit of Taberg in the South of Sweden
Stockholm 1050, SGU, Ser. C, No. 512


 

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