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Ångermanland-Syenitgabbro: A.
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Dieses Gestein ist als Geschiebe eine Rarität.
Es entstand im Zuge der Intrusion des Nordingrå-Rapakiwis und ist etwa 1580 Ma. alt.
Das Vorkommen liegt an der schwedischen Ostküste südlich von Örnsköldsvik.
 
Rapakiwis zeichnen sich durch einen bimodalen (zweikomponentigen) Magmatismus aus. Der eigentliche Rapakiwi ist ein Granit, der häufig von einem Magma ganz anderer, nämlich basaltischer Zusammensetzung begleitet wird. Typische Gesteine, die dabei gebildet werden, sind Gabbro oder Anorthosit
2).
Beide Magmentypen, die sonst nur getrennt vorkommen, dringen zeitnah oder sogar gleichzeitig auf. Gelegentlich werden sogar die gleichen Fördergänge von verschiedenen Magmen benutzt. Da sich die beiden Magmentypen wegen der unterschiedlichen Viskosität nur langsam verbinden, entstehen mehr oder weniger vollständige Gemische oder auch nur teilweise Vermengungen.
 
Ångermanland-Syenitgabbro ist ein schönes Anschauungsbeispiel für diese Durchdringung zweier sehr verschiedener Gesteinstypen.
Die mehrere Zentimeter großen Plagioklase dominieren im Gefüge. Sie bilden das Grundgerüst und entstammen dem basaltischen Magma.
In dieses Gabbrogestein drang die granitische
3) Schmelze ein. Sie ist für die rötliche "Füllung" zwischen den Plagioklasen und den dunklen Mineralen verantwortlich.
Die granitische / syenitische Komponente besteht überwiegend aus Alkalifelspat. Zusätzlich ist Plagioklas und Quarz in wechselnden Mengen darin enthalten.
 
Im Muttergestein (Gabbro) war die Kristallbildung weit vorangeschritten und sehr wahrscheinlich hatte die Verfestigung schon begonnen, als das Granitmagma eindrang. Die Bildung des rötlichen Ganges (im Geschiebe) weist darauf hin. Andererseits sind die Minerale in diesem Gang erkennbar auskristallisiert. Ein deutlicher Hinweis auf eine recht hohe Umgebungstemperatur. In einem kalten Gestein wäre das Gangmaterial sofort zu einer feinkörnigen Masse erstarrt.
Da sich auch in den Zwischenräumen der Plagioklase kleine rotgefärbte Partien finden, die vermutlich überwiegend aus Alkalifeldspat bestehen, muß zumindest ein Teil des Granits recht mobile Lösungen enthalten haben, die, ohne eine Deformation zu bewirken, in die Zwischenräume der Kristallmasse eindringen konnten.
 
Die Probe aus dem Anstehenden wurde von Herrn Hildebrandt aus Basedow beschafft. Sie ist heute Teil der (im Aufbau befindlichen) Sammlung der Arbeitsgruppe "Kristalline Geschiebe" in Hamburg (im Geomatikum, Bundesstraße).
 
Das zweite Stück habe ich als Geschiebe in der Kiesgrube Groß Pampau gefunden. Beide Abbildungen zeigen (an)polierte Flächen.
Der auffällige Unterschied in der Farbe kann auf Verwitterung des Geschiebestücks zurückzuführen sein.

Gabbros bzw. Anorthosite sind oft wesentlich dunkler als die hier gezeigten Vertreter aus dem Nordingrå-Massiv. Das wichtigste Kennzeichen - überwiegend Plagioklas im Gestein - ist jedoch immer gleich.
 
Ångermanland-Syenitgabbro aus dem Anstehenden bei Nordingrå:
 
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Angermannland Syenitgabbro
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Detail aus dem Angermannland Syenitgabbro
 
Unterhalb sehen Sie das gleiche Gestein als Geschiebe aus der Kiesgrube in Groß Pampau (Schleswig-Holstein):
 
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Angermannland
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Ausschnitt:
 
Syenitgabbro
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Hier noch die äußere, angewitterte Kruste des Geschiebes.
Die Plagioklase zeigen die dann typische helle und gelbliche Färbung:
 
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Angermannland Syenitgabbro
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Hinweis zu den hier verwendeten Bezeichnungen:

 
1.) Zum Namen "Syenitgabbro" :

Der Begriff stammt aus der Geschiebekunde und ist älteren Datums.
Eigentlich ist diese Bezeichnung unzulässig. Ein Gabbro, der mehr als 10% Alkalifeldspat enthält, wird als Monzogabbro bezeichnet. Kommen mehr als 5% Quarz dazu, handelt es sich um einen Quarz-Monzogabbro.
Syenitgabbros im Wortsinn gibt es nicht.
Der Name wird trotzdem hier verwendet, weil er in der Literatur eingeführt ist und bestehende Namen nach Möglichkeit nicht geändert werden.

2.) Gabbro / Anorthosit:
Beides sind quarzarme (basische) Tiefengesteine.
Gabbros enthalten als wesentlichen Bestandteil Plagioklas (mit mehr als 50% An) und darüber hinaus als dunkle Minerale Pyroxen, Olivin sowie Erz.
Wenn der Anteil des Plagioklases am Gestein auf über 90 % ansteigt, bezeichnet man dieses - praktisch monomineralische Gestein - dann als Anorthosit.

3.) Syenit / Granit:
Der Unterschied zwischen Syeniten und Graniten liegt im Quarzgehalt.
Granite enthalten 20 % und mehr Quarz. Syenite sind fast frei von Quarz oder enthalten maximal 5 %. (Alle Angaben beziehen sich auf den Gehalt an hellen Mineralen)
In beiden Gesteinen gibt es ein Übergewicht des Alkalifeldspates über den Plagioklas.
Makroskopisch muß die Unterscheidung von Granit oder Syenit geschätzt werden.
Das oben abgebildete Geschiebestück enthält einen Gang, der sich im rechten Teil verbreitert. In diesem verbreiterten Stück ist mit der Lupe reichlich Quarz in graphischen Verwachsungen zu sehen. Im linken Teil fehlt der Quarz völlig.

Zur Illustration sei hier das Gangstück mit den graphischen Verwachsungen (Quarz mit Alkalifeldspat) aus dem Geschiebe abgebildet:
 
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