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Das Streckeisen-Diagramm
(Teil 6)


   
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Das Streckeisen-Diagramm (auch QAPF- Schema genannt) gehört zum Wichtigsten in der Geologie überhaupt. In ihm werden magmatische Gesteine definiert.
Es werden zwei Varianten benutzt: Eine für Plutonite (Tiefengesteine) und eine für Vulkanite.
(Die Grafik für die Vulkanite finden Sie ganz unten.)

  1a = Quarzolith
1b = Quarzreiche Granitoide
 2 = Alkalifeldspatgranit
 3 = Granit
 (3a = Syenogranit, 3b = Monzogranit)
 4 = Granodiorit
 5 = Tonalit
 6 = Alkalifeldspatsyenit
 6* = Quarz- Alkalifeldspatsyenit
 6`= Foidführender Alkalifeldspatsyenit
 7 = Syenit,
 7*= Quarzsyenit
 7`= Foidführender Syenit
 8 = Monzonit
 8*= Quarzmonzonit
 8`= Foidführender Monzonit
 9 = Monzodiorit / Monzogabbro
 9*= Quarz-Monzodiorit /
        Quarz-Monzogabbro
 9`= Foidführender Monzodiorit /
         - Monzogabbro
10 = Diorit / Gabbro / Anorthosit
10* = Quarzdiorit / Quarzgabbro
10`= Foidführender Diorit / - Gabbro
11 = Foidsyenit (Foyait)
12 = Foid-Monzosyenit
13 = Foid-Monzodiorit / - Gabbro
         (Essexit)
14 = Foiddiorit/ Foidgabbro,
15 = Foidolith
 

Wie wird dieses Schema gelesen?
      
Im Streckeisen-Diagramm steht jeder Eckpunkt für ein Mineral.
Q = Quarz A = Alkalifeldspat P = Plagioklas F = Foide (Feldspatvertreter) 1)

An diesen Eckpunkten ist der Mineralgehalt jeweils 100 %.
Alle Linien im Diagramm stehen für den prozentualen Gehalt an Mineralen.
Die Linien von oben nach unten stellen Feldspatgehalte dar, die waagerecht verlaufenden Linien geben den Quarz- oder Foidgehalt an.
Diese Prozentlinien begrenzen Felder und definieren damit Gesteine.

Ein Gestein kommt je nach seiner Zusammensetzung in einem der Felder zu liegen und erhält danach
seinen Namen. Die allermeisten magmatischen Gesteine finden sich in der oberen Hälfte des
Diagramms.

Ganz links bei „A“ sind es 100% Alkalifeldspat und keinerlei Plagioklas. Ganz rechts bei „P“ gibt es nur Plagioklas, keinen Alkalifeldspat.
Da beide Feldspäte zusammen immer 100 % ergeben, genügt es, den Gehalt von nur einem Feldspat an
den Begrenzungslinien anzugeben. Im Diagramm steht deshalb nur der Plagioklasgehalt, der Rest
zu 100 % ist immer Alkalifeldspat.

Ausschnitt aus dem QAPF-Schema:

 

Alle Prozentangaben beziehen sich nur auf die genannten vier hellen Minerale und geben nur die
Mengenverhältnisse innerhalb dieser Mineralgruppe wieder.
Die dunklen Minerale (meist ist das Biotit oder Amphibol) werden so lange ignoriert, wie ihre Menge
weniger als 90 % des Gesteins ausmacht. Erst wenn mehr als 90 % dunkle Minerale vorhanden sind,
werden andere Schemata verwendet.

Erläuterung am Beispiel von Granit:
Das Feld 3 (3a + 3b) ist das Granitfeld. Jedes magmatische Gestein, das eine Zusammensetzung hat,
die innerhalb dieses Feldes liegt, ist Granit (zu Vulkaniten siehe Grafik 2).
     
Das Feld 3 wird durch zwei horizontalen Linien begrenzt, die den Quarzgehalt definieren.
Granit beginnt unten an der horizontalen 20 % Linie und endet oben bei der 60 % Linie, jeweils ablesbar
an den Ziffern am linken Rand. Daraus folgt, daß im Granit der Quarzanteil immer zwischen
20 % und 60 % der hellen Minerale liegt - andernfalls ist das Gestein kein Granit.

Links und rechts wird das Granitfeld von Linien begrenzt, die den Gehalt an Feldspäten angeben.
Die linke Linie trägt die Ziffer 10. Das bedeutet: 10 % Plagioklas (und gleichzeitig 90 % Alkalifeldspat).
Die rechte Begrenzungslinie für Feld 3 liegt bei 65 % Plagioklas (und gleichzeitig 35 % Alkalifeldspat).
Das bedeutet, daß in allen Graniten das Verhältnis der Feldspäte zwischen 10 % - 65 % Plagioklas
und damit gleichzeitig 90 - 35 % Alkalifeldspat liegt. 2)

In gleicher Weise sind alle anderen Felder im Diagramm von Prozentlinien eingerahmt und definieren so
die Zusammensetzung der Gesteine.

Die Prozentgehalte innerhalb des Diagramms sind relativ und beziehen sich immer nur auf den Anteil
der hellen Minerale. Besteht ein Gestein beispielsweise zur Hälfte aus dunklen Mineralen, dann ist die absolute Menge der hellen Minerale entsprechend niedrig.

Angenommen, ein Granodiorit (Feld 4) besteht zur Hälfte aus dunklen Mineralen. Die Zusammensetzung bei den hellen Mineralen soll sein: 30 % Quarz sowie 70 % Plagioklas und 30 % Alkalifeldspat.
Die absoluten Mineralgehalte, die man dann tatsächlich auf der Gesteinsoberfläche sieht, sind folgende:
15 % Quarz, 24,5 % Plagioklas und 10,5 % Alkalifeldspat.
Wieso das?
Die Hälfte des Gesteins besteht aus dunklen Mineralen und diese werden nicht berücksichtigt. Nur die
andere Hälfte, die der hellen Minerale, dient der Bestimmung. Davon nimmt der Quarz bereits 30 % ein.
Diese 30 % machen 15 % der gesamten Gesteinsmasse aus, da 30 % von den 50 % der hellen Minerale
15 % (absolut) ergeben.
Dann verbleiben für beide Feldspäte noch 35 % des Gesamtgesteins.
Auf diesen Teil bezieht sich die Aufteilung der Feldspäte in 70 % Plagioklas und 30 % Alkalifeldspat.
Für den Plagioklas ergibt das einen Anteil von 24,5 % vom Gesamtgestein, denn 70 % Plagioklas von
35 % sind 24,5 %.
Analog nimmt der Alkalifeldspat insgesamt nur 10,5 % des Gesteins ein, denn 30 % vom Feldspatgehalt,
der insgesamt 35 % des Gesteins ausmacht, sind 10,5 %.

Das mag auf den ersten Blick verwirrend aussehen, ist aber eigentlich nicht kompliziert.
Im Streckeisendiagramm sind die Prozentangaben immer auf den Gehalt an hellen Mineralen
bezogen. Wie groß die tatsächliche Menge dieser hellen, für die Bestimmung entscheidenden Minerale
ist, bleibt dabei unerheblich. So lange sie zusammen mehr als 10% des Gesteins ausmachen,
bestimmen sie den Namen - egal ob die dunklen Minerale einen kleinen oder einen größeren Anteil
haben.

Definitionen aus dem Diagramm ablesen:

Möchte man zu einem beliebigen magmatischen Gestein die zugehörigen Mineralgehalte wissen, sucht
man den Namen im Schema und hat automatisch die Grenzlinien.

Beispiel: Quarzmonzonit.

Die Quarzmonzonite stehen im Feld 8*. Dieses Feld wird begrenzt durch einen Quarzgehalt von
mindestens 5 % und maximal 20 % - abzulesen an den beiden horizontalen Linien oberhalb bzw.
unterhalb von 8*.
Rechts und links von Feld 8* befinden sich die 35 % und 65 %, die für den Plagioklasanteil im
Gesamtfeldspat stehen. Der Rest zu hundert ist wieder der Alkalifeldspat.
Ein Quarzmonzonit hat daher in seinen hellen Anteilen zwischen 5 % und 20 % Quarz. Dazu kommen zwischen 35 % - 65 % Plagioklas vom Gesamtfeldspat. Der Rest zu hundert, das sind 65 % - 35 %, ist Alkalifeldspat.

Enthält ein Gestein nur einen einzigen Feldspat, so liegt es auf einer der Außenlinien des Diagramms.
Ein Basalt, der beispielsweise nur Plagioklas führt, liegt auf der rechten Außenlinie. Je nach
Quarzgehalt in der oberen oder, wenn Feldspatvertreter enthalten sind, in der unteren Hälfte.
Ein Gestein, das nur Plagioklas enthält und weder Quarz noch Foide führt, liegt exakt auf Punkt P,
also am Rand von Feld 10.

Praktische Anwendung:

1.) Mineralgehalte grob schätzen:
Ein Gestein mit magmatischem Gefüge soll beispielsweise fast keinen Quarz enthalten, nur hin
und wieder kleine Körnchen. Neben dunklen Mineralen (die ignoriert werden) findet sich deutlich mehr Alkalifeldspat als Plagioklas. Wie ermittelt man den Namen?
Bei nur sehr wenigen Quarzeinsprenglingen schätzen wir den Gehalt an Quarz auf einige wenige
Prozent, vermutlich unter 5 %. Damit liegt das Gestein irgendwo in den Feldern 6, 7, 8, 9 oder 10.

Bei einem deutlich überwiegenden Gehalt an Alkalifeldspat kann es sich nur um Feld 6 oder 7 handeln.
Liegt der Plagioklasgehalt verglichen mit dem Alkalifeldspat unter 10 %, so ergibt sich das Feld 6,
also Alkalifeldspatsyenit.
Liegt der Plagioklas zwischen 10 % und 35 % des Gesamtfeldspatgehalts, ist es Feld 7 – also ein Syenit.
Ein etwa gleich hoher Anteil von Alkalifeldspat und Plagioklas wiederum würde das Gestein ins Feld der Monzonite verschieben.
Wäre der Plagioklas gar einziger Feldspat, so kann das Gestein nur ein Diorit oder ein Gabbro sein, vorausgesetzt, daß der Quarzgehalt immer noch unter 5 % ist.

2.) Werksteine beurteilen:
Wenn Sie sich beispielsweise einen Larvikit, der als Küchenarbeitsplatte oder Bodenfliese unter
dem Handelsnamen „Labrador“ verkauft wird, genauer anschauen, stellen Sie fest, daß er keinen Quarz enthält. Es kann sich also niemals um Granit handeln, auch wenn er beim Händler noch so oft als
solcher bezeichnet wird.

Ebenso ist ein Gestein, das ein deutlich schlieriges Gefüge mit verformten Mineralen und
geschwungenen Linien aufweist, sehr wahrscheinlich ein Gneis oder ein Migmatit, also ein
metamorphes Gestein. Damit wird es NICHT nach dem QAPF- Schema klassifiziert, denn das gilt NUR
für magmatische Gesteine. Metamorphe Gesteine werden nach anderen Regeln benannt.

Allerdings ist die Grenze zwischen Granit und Gneis fließend, so daß man ein Auge zudrücken kann. Spätestens jedoch, wenn der angebliche „Granit“ dunkelrote Granate enthält, handelt es sich mit
großer Wahrscheinlichkeit um ein metamorphes Gestein, das dann eben kein Granit sein kann.

Genaue Gesteinsbestimmung bei bekanntem Mineralgehalt:
Kennt man den genauen Mineralgehalt eines Gesteins, geht man zur Bestimmung wie folgt vor:
Zuerst wird der Feldspatgehalt auf der waagerechten Mittellinie markiert. Man beginnt dafür mit dem Plagioklaswert.
Dieser wird ermittelt, indem man den Gehalt an Plagioklas durch die Summe beider Feldspäte teilt.
P = P : (A + P)
Das ist nötig, weil beide Feldspäte zusammen 100 % ergeben müssen.
Abhängig davon, ob das Gestein Quarz oder einen Feldspatvertreter enthält, wird von diesem Punkt
auf der Mittellinie aus eine Gerade zum Quarz (oder zum Foidpunkt) gezogen und auf dieser
Verbindungslinie der Prozentsatz vom Quarz (bzw. Foid) abgetragen. Der sich ergebende Punkt
repräsentiert das Gestein.

Beispiel:
Neben einem Quarzgehalt von 10 % enthält ein Stein noch Feldspäte im Verhältnis von
70 % Alkalifeldspat zu 20 % Plagioklas. Worum handelt es sich?

Zuerst den Plagioklaswert bestimmen:
P = 20 geteilt durch 90 (Summe aus 70 % und 20 %) ergibt 0,22 (= 22 %).
Diesen Wert von 22 % tragen wir vom Punkt „A" aus nach rechts ab. Ganz links ist der
Plagioklasgehalt 0 %, ganz rechts ist er 100 %. Der Plagioklaswert von 22 % kommt damit im Feld 7 zu
liegen.
Jetzt fehlt noch der Quarz. Sein Anteil beträgt in unserem Beispiel 10 %.
Von unserem Plagioklaswert bei 22 % aus ziehen wir eine Verbindung zum Quarzpunkt ("Q") und
tragen darauf 10 % ab. Auf dieser Verbindungslinie ist der Quarzgehalt unten null und oben
bei "Q" 100%. Das Gestein kommt in Feld 7* zu liegen. Es handelt sich um Quarzsyenit.

Zwei oder mehr Namen für ein Feld im QAPF-Diagramm:

Im Streckeisen-Diagramm finden sich mehrere Doppelbezeichnungen.
“Basanit / Tephrit“ zum Beispiel (Vulkanite, Grafik 2) oder die Dreifachbenennung „Diorit / Gabbro / Anorthosit“ (Plutonite, Grafik 1).

In diesen Fällen sind Gesteine nur durch zusätzliche Kriterien unterscheidbar, die nicht im Diagramm dargestellt werden.
Diorit und Gabbro sind beides Plagioklasgesteine, die sich nur in der chemischen Zusammensetzung
des Plagioklas’ unterscheiden. (Gabbro enthält mehr als 50 % Anorthitkomponente, Diorit weniger
als 50 %). Das ist mit der Lupe nicht feststellbar.
Ein Anorthosit wiederum ist ein Gestein, das insgesamt zu über 90 % aus Plagioklas besteht, also kaum dunkle Minerale enthält.

Das Paar „Basanit / Tephrit“ steht bei den Vulkaniten. Beide enthalten mehr als 10 % Foide, kaum
Alkalifeldspat und überwiegend Plagioklas, daher Feld 14. Sie unterscheiden sich aber zusätzlich im Olivingehalt: Basanit enthält mehr als 10 % Olivin, Tephrit weniger. Auch das ist mit bloßem Auge kaum
oder gar nicht feststellbar.

Das QAPF-Diagramm ist vor allem für die präzise Bestimmung maßgebend und nicht nur für die makroskopische. Manche Einzelheiten muß der Amateur schätzen oder einfach offen lassen.

1.) Was sind Foide?
Es handelt sich um Feldspatvertreter. Diese Minerale entstehen nur, wenn in einer Schmelze nicht
genügend Silizium vorhanden ist, um allen vorhandenen Molekülen, die gerne Feldspat werden
möchten, ausreichend SiO2 zu liefern. Sobald das SiO2 in der Schmelze aufgebraucht ist, entstehen
die Foide. Man könnte sie als die „Hungerform" der Feldspäte bezeichnen.
Es handelt sich um Minerale wie Nephelin, Leucit, Nosean, Hauyn und andere.
Sie sind eher selten und unterscheiden sich von den Feldspäten durch eine geringere Härte und einen
meist unebenen Bruch.
Da Foide erst dann gebildet werden, wenn alles freie SiO2 aufgebraucht ist, kommt Quarz (SiO2) niemals zusammen mit einem Foid vor. Sichtbarer Quarz ist ein Zeichen für einen Überschuß an SiO2. Foide
jedoch bilden sich nur bei einem Mangel an Silizium.
Die normalen Feldspäte sind praktisch immer zusätzlich im Gestein enthalten, von ganz seltenen
Ausnahmen abgesehen.

2) Ein-Feldspat-Granite:
In einigen Graniten findet sich nur ein Feldspat. Diese Gesteine sind bei sehr hohen Temperaturen
kristallisiert. Deshalb kam es nicht zur Trennung (Entmischung) in Alkalifeldspat und Plagioklas.
Die chemischen Komponenten, aus denen Alkalifeldspat und Plagioklas bestehen, sind
in einem Feldspat vereint. Diese Granite mit nur einem Feldspat werden auch als „Hypersolvusgranite“ bezeichnet.
 

Unten: Das QAPF-Diagramm für Vulkanite:

 

 1 = keine Vulkanite
 2 = Alkalifeldspatrhyolith
 6 = Alkalifeldspattrachyt
 6* = Quarz-Alkalifeldspattrachyt
 6’ = Foidführender Alkalifeldspattrachyt
 7* = Quarztrachyt
 7 = Trachyt
 7’= Foidführender Trachyt
 8* = Quarzlatit
 8 = Latit
 8’= Foidführender Latit
11 = Phonolith
13 = Phonolithischer Basanit
Phonolitithischer Tephrit
14 = Basanit (mehr als 10 % Olivin)
Tephrit (weniger als 10 % Olivin)
15a = Phonolithischer Foidit
15b = Tephritischer Foidit

15c = Foidit

  Die Grafiken und deren Beschriftung sind angelehnt an:
R.VINX, Gesteinsbestimmung im Gelände, Spektrum Verlag, Elsevier, 2005
  Ein Ausdruck aller Seiten (der Gesteinsbestimmung) bis hierher ist in einem Dokument möglich. Sie finden es hier