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  Gesteinsbildende Minerale: Feldspäte im Detail
(Teil 5)

  
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Zwillingsbildung bei Feldspäten

Feldspäte machen Zwillinge.
Das bedeutet, daß zwei oder mehrere Kristalle eines Feldspates auf ganz bestimmte Weise miteinander verwachsen sind.
Diese Zwillingsbildungen sind jeweils typisch für Alkalifeldspat und Plagioklas.
Das Erkennen der Zwillingsbildungen ist ein wichtiger Schlüssel zur Bestimmung der Feldspäte
 
Alkalifeldspäte bilden Zwillinge, die aus zwei Hälften bestehen. Diese Zwillinge nennt man „Karlsbader Zwillinge". Bewegt man einen solchen Doppelkristall, so reflektieren seine beiden Hälften in verschiedenen Positionen. Es glänzt immer nur eine Hälfte des
Zwillings. Um die andere Hälfte spiegeln zu sehen, muß man den Stein drehen.
 
  Der Grund für dieses Phänomen liegt in der Art der Verwachsung begründet. Die beiden Zwillingshälften berühren sich wie zwei verschränkte Hände.
Wird der Stein geteilt, verläuft der Bruch in irgendeine Richtung quer durch beide Hälften.
Die Nahtlinie zwischen den beiden Hälften ist manchmal gerade, manchmal hat sie einen Absatz.
     Grafik: Karlsbader Zwilling

Es gibt außer den Karlsbader Zwillingen bei den Alkalifeldspäten noch Verwachsungen nach dem Manebacher und Bavenoer Gesetz. Diese werden hier übergangen.

Auf dem nächsten Bild ist ein zur Hälfte freiliegender Karlsbader Zwilling zu sehen.
Beide Kristallhälften sind, wie oben skizziert, versetzt verwachsen.
(Sanidin in einem Trachyt aus Frankreich)
 
  idiomorpher Sanidin als Karlsbader Zwilling

Solche Zwillingspaare sind selten freiliegend zu sehen. Normalerweise brechen die Gesteine im Handstück quer durch alle Kristalle. Ein Zwilling ist dann nur an der geteilten Reflexion zu erkennen.
Das untere Bild zeigt einen Karlsbader Zwilling, wie er oft im Handstück zu sehen ist:

Die obere Hälfte des Zwillings ist in Reflexionsstellung. Die untere Hälfte fällt auf dem Bild nicht auf, dazu muß man das Handstück bewegen. Dann spiegeln nacheinander beide Hälften und die Größe des Doppelkristalls ist besser zu erkennen.

 

Karlsbader Zwilling:
 
  Karlsbader Zwilling im Querbruch
 
Die Naht zwischen den beiden Hälften verläuft je nach Bruchlage
mit einem Absatz (oben) oder schön gerade (unten):

Perniögranit

Dieser Karlsbader Zwilling stammt aus einer Probe vom Perniö-Granit, Finnland.
Die linke Hälfte spiegelt, die rechte Hälfte nicht. Die Pfeile markieren den gesamten Zwilling.

Karlsbader Zwillinge kann man mit bloßem Auge zu erkennen.
Kontrollieren Sie trotzdem noch mit der Lupe, ob sich nicht eventuell in der spiegelnden Fläche noch mehr zeigt. An dieser Stelle lauert nämlich eine Falle. Ab und zu tritt der Fall auf, daß die Plagioklase, die hier im folgenden vorgestellt werden, einen Karlsbader Zwilling vortäuschen. Das ist ziemlich selten, aber es kommt vor. Wenn Sie mit der Lupe kontrollieren, ob es einfach nur eine Zweiteilung ohne weitere Verzwilligungen gibt, dann können Sie sicher sein, Alkalifeldspat vor sich zu haben.

(Ein Beispiel für einen solchen "vorgetäuschten" Alkalifeldspat sehen Sie hier:)
 
 
Zwillingsbildung bei den Plagioklasen:
 

Plagioklase bilden Zwillinge nach dem Albit- bzw. Periklin-Gesetz. Dabei werden viele dünne Zwillinge nebeneinander abgeschieden.
Man bezeichnet sie als polysynthetische Zwillinge.
Die Skizze rechts verdeutlicht das Prinzip. Die einzelnen „Scheiben" sind im Vergleich zur Länge allerdings meist sehr viel dünner als hier skizziert.

Unten sehen Sie die typischen Plagioklaszwillinge:
 
Skizze polysynthetischer Verzwilligung  
  Plagioklas

Diese dichte Wiederholung feinster Linien, die wie mit dem Lineal gezogen sind,
ist das wichtigste Erkennungsmerkmal für Plagioklase.

 
Die Streifen der polysynthetischen Verzwilligung sind immer eng und exakt parallel.
Sie haben keine Eigenfarbe und sie sind nur auf den spiegelnden Flächen zu sehen.
Deshalb ist es nötig, die Gesteinsprobe unter der Lupe zu bewegen und die Feldspäte aufspiegeln zu lassen.
Die Zwillingsstreifen müssen Sie suchen, sie springen Ihnen nicht ins Auge. Bewegen Sie eine frische Bruchfläche unter der Lupe und suchen Sie die polysynthetischen Verzwilligungen auf den reflektierenden Spaltflächen.
So groß wie auf dem Foto oberhalb werden Sie die polysynthetischen Zwillinge nur selten zu sehen bekommen. (Der Plagioklas stammt aus einem norwegischen Pegmatit, die Probe wurde mir von Peter Jacobi überlassen.)
Wenn Sie aber mit Hilfe der Lupe auch nur eine spiegelnde Spaltfläche mit diesem feinen Linienmuster finden, dann wissen sie, daß alle Kristalle gleicher Farbe in Ihrem Handstück Plagioklase sind.

Unterscheidung zu den perthitischen Entmischungen:
 
Die perthitischen Entmischungen in den Alkalifeldspäten, die weiter oben zu sehen sind, haben immer eine Eigenfarbe, sind nie so gerade und eher kurz. Die hellen Spindeln dort sind Albit in Alkalifeldspat - zwei Feldspäte mit je eigener Farbe ineinander.
 
Entmischungen in Alkalifeldspäten können Sie in jeder Lage des Steins erkennen, die Plagioklaszwillinge nur in Reflexionsstellung.
Man kann sie eigentlich nicht verwechseln.
 
Grünfärbung der Plagioklase:
 
Es gibt ein weiteres Indiz dafür, ob ein Feldspatkristall Plagioklas oder Alkalifeldspat ist.
Wie bereits beschrieben, sind Plagioklase weniger stabil. Insbesondere die kalziumhaltigen Plagioklase neigen zum Grünwerden, das von den Kernen her ausgeht.
Der Vorgang, bei dem sich Plagioklase umwandeln, heißt „Saussuritisierung", das Mineralgemisch, das sich im Plagioklas bildet, „Saussurit" (benannt nach dem Schweizer Geologen Saussure).
Darin ist unter anderem Epidot enthalten. Dieser Epidot ist von pistaziengrüner Farbe und färbt den Kristall grünlich.
 
       
Bild unten: Porphyr aus Dalarna (Geschiebe von der Insel Fehmarn)
       Die grünlichen Kristalle sind Plagioklase, die weißen sind die Alkalifeldspäte.
     
  vergrünte Plagioklase

Sonstige Begriffe im Zusammenhang mit Feldspäten:

In der Literatur tauchen immer wieder verschiedene Begriffe auf, die auf die Feldspäte Bezug nehmen. Einige wichtige habe ich hier zusammengestellt, um die Orientierung zu erleichtern.
 
Orthoklas:   Orthoklase gehören zu den Alkalifeldspäten und sind durch ein Kristallgitter definiert, daß in seiner Ordnung zwischen Sanidin (Hochtemperaturform) und Mikroklin (Tieftemperaturform) steht.
Streng genommen macht man man der Bezeichnung "Orthoklas" eine Aussage über das Kristallgitter, die eigentlich nur nach einer Dünnschliffuntersuchung statthaft wäre. Die meisten Alkalifeldspäte sind aber in der Tat Orthoklase.
 
Sanidin:   Die Hochtemperaturform des Alkalifeldspats. Sanidine kommen nur in vulkanischen Gesteinen vor. Durch die schnelle Abkühlung hatten sie keine Zeit, das Kristallgitter den niedrigeren Temperaturen anzupassen. Im Feldspatdreieck sind es die Sanidine, die im roten Bereich - also am Rande der Mischungslücke - liegen. Sie können wegen der schnellen Abkühlung nicht entmischen.
 
Mikroklin:   Die Tieftemperaturform des Kalifeldpates. Mikrokline brauchen zu ihrer Bildung eine langsame Abkühlung. Dabei entwickelt sich das Kristallgitter so, daß die Aluminium- und Siliziumatome ein regelmäßig geordnetes Gitter aufbauen. (Beim Sanidin ist es völlig ungeordnet, beim Orthoklas nur teilweise.) Mikroklin ist im Dünnschliff, also nur unter dem Mikroskop, an einer typischen Gitterbildung zu erkennen. Makroskopisch ist Mikroklin nicht bestimmbar. Oft zeigen Mikroklinkristalle schöne perthitische Entmischungen, weil diese zu ihrer Entstehung die gleichen Bedingungen - langsame Abkühlung und viel Zeit - benötigen.

Feldspatnamen aus der Plagioklasreihe:

Die folgenden Namen beziehen sich auf verschiedene Mischungsverhältnisse von Albit und Anorthit.
(Vergl. im Feldspatdreieck die untere Reihe der Plagioklase.)
Heute werden statt der Namen auch die prozentualen Mischungsverhältnisse angegeben (An
orthitgehalt in Prozent).

Albit: (NaAlSi
3O8): Anorthitgehalt von O bis 10 %. (An0-An10)

Oligoklas: Anorthitgehalt von10 % bis 30 %. (An
10-An30)

Andesin: Anorthitgehalt von 30 % bis 50 %. (An
30-An50)

Labradorit: Anorthitgehalt von 50 % bis 70 % (An
50-An70)

Bywtonit: Anorthitgehalt von 70 % bis 90 % (An
70-An90)

Anorthit: (CaAl
2Si2O8) Anorthitgehalt 90% bis 100 % (An90-An100)