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Zwillingsbildung bei Feldspäten
Feldspäte machen Zwillinge.
Das bedeutet, daß zwei oder mehrere Kristalle eines Feldspates auf ganz bestimmte Weise miteinander verwachsen
sind.
Diese Zwillingsbildungen sind jeweils typisch für
Alkalifeldspat und Plagioklas.
Das Erkennen der Zwillingsbildungen ist ein wichtiger Schlüssel zur
Bestimmung der Feldspäte
Alkalifeldspäte bilden Zwillinge, die aus zwei Hälften bestehen.
Diese Zwillinge nennt man „Karlsbader Zwillinge". Bewegt man einen
solchen Doppelkristall, so reflektieren seine beiden Hälften in
verschiedenen Positionen. Es glänzt immer nur eine Hälfte des
Zwillings. Um die andere Hälfte spiegeln zu sehen, muß man den Stein
drehen.
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Der Grund für dieses
Phänomen liegt in der Art der Verwachsung begründet. Die beiden
Zwillingshälften berühren sich wie zwei verschränkte Hände.
Wird der Stein geteilt, verläuft der Bruch in irgendeine
Richtung quer durch beide Hälften.
Die Nahtlinie zwischen den beiden Hälften ist manchmal gerade,
manchmal hat sie einen Absatz. |
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Es gibt außer den Karlsbader Zwillingen bei den Alkalifeldspäten
noch Verwachsungen nach dem Manebacher und Bavenoer Gesetz. Diese
werden hier übergangen.
Auf dem nächsten Bild ist ein zur Hälfte freiliegender Karlsbader
Zwilling zu sehen.
Beide Kristallhälften sind, wie oben skizziert, versetzt verwachsen.
(Sanidin in einem Trachyt aus Frankreich)
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Solche Zwillingspaare sind selten freiliegend
zu sehen.
Normalerweise brechen die Gesteine im Handstück quer durch alle
Kristalle. Ein Zwilling ist dann nur an der geteilten Reflexion zu
erkennen.
Das untere Bild zeigt einen Karlsbader Zwilling, wie er oft im
Handstück zu sehen ist:
Die obere Hälfte des Zwillings ist in Reflexionsstellung. Die
untere Hälfte fällt auf dem Bild nicht auf, dazu muß man das
Handstück bewegen. Dann spiegeln nacheinander beide Hälften und die
Größe des Doppelkristalls ist besser zu erkennen.
Karlsbader Zwilling:
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Die Naht zwischen den beiden Hälften
verläuft je nach Bruchlage
mit einem Absatz (oben) oder schön gerade (unten): |
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Dieser Karlsbader Zwilling
stammt aus einer Probe vom Perniö-Granit, Finnland.
Die linke Hälfte spiegelt, die rechte Hälfte nicht. Die Pfeile
markieren den gesamten Zwilling.
Karlsbader Zwillinge kann man mit bloßem Auge zu erkennen.
Kontrollieren Sie
trotzdem noch mit der Lupe, ob sich nicht eventuell in der
spiegelnden Fläche noch mehr zeigt. An dieser Stelle lauert nämlich
eine Falle. Ab und zu tritt der Fall auf, daß die Plagioklase, die
hier im folgenden vorgestellt werden, einen Karlsbader
Zwilling vortäuschen. Das ist ziemlich selten, aber es kommt vor.
Wenn Sie mit der Lupe kontrollieren, ob es einfach nur eine
Zweiteilung ohne weitere Verzwilligungen gibt, dann können Sie
sicher sein, Alkalifeldspat vor sich zu haben.
(Ein Beispiel für einen solchen "vorgetäuschten" Alkalifeldspat
sehen Sie hier:)
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Zwillingsbildung bei den Plagioklasen:
Plagioklase bilden Zwillinge nach dem Albit- bzw.
Periklin-Gesetz. Dabei werden viele dünne Zwillinge
nebeneinander abgeschieden.
Man bezeichnet sie als polysynthetische Zwillinge.
Die Skizze rechts verdeutlicht das Prinzip. Die einzelnen
„Scheiben" sind im Vergleich zur Länge allerdings meist sehr
viel dünner als hier skizziert.
Unten sehen Sie die typischen Plagioklaszwillinge:
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Diese dichte Wiederholung feinster Linien, die
wie mit dem Lineal gezogen sind,
ist das wichtigste
Erkennungsmerkmal für Plagioklase.
Die Streifen der polysynthetischen Verzwilligung sind
immer eng und exakt
parallel.
Sie haben keine
Eigenfarbe und sie sind nur auf den spiegelnden Flächen zu sehen.
Deshalb ist es nötig, die Gesteinsprobe unter der Lupe zu bewegen
und die Feldspäte aufspiegeln zu lassen.
Die Zwillingsstreifen müssen Sie suchen, sie springen Ihnen
nicht ins Auge. Bewegen Sie eine frische Bruchfläche unter der Lupe
und suchen Sie die polysynthetischen Verzwilligungen auf den
reflektierenden Spaltflächen.
So groß wie auf dem Foto oberhalb werden Sie die polysynthetischen
Zwillinge nur selten zu sehen bekommen. (Der Plagioklas stammt aus
einem norwegischen Pegmatit, die Probe wurde mir von Peter Jacobi
überlassen.)
Wenn Sie aber mit Hilfe der Lupe auch nur eine spiegelnde
Spaltfläche mit diesem feinen Linienmuster finden, dann wissen sie,
daß alle Kristalle gleicher Farbe in Ihrem Handstück Plagioklase
sind.
Unterscheidung zu den perthitischen Entmischungen:
Die perthitischen Entmischungen in
den Alkalifeldspäten, die weiter oben zu sehen sind, haben immer
eine Eigenfarbe, sind nie so gerade und eher kurz. Die hellen
Spindeln dort sind Albit in Alkalifeldspat - zwei Feldspäte mit je
eigener Farbe ineinander.
Entmischungen in Alkalifeldspäten können Sie in jeder Lage des
Steins erkennen, die Plagioklaszwillinge
nur in Reflexionsstellung.
Man kann sie eigentlich nicht verwechseln.
Grünfärbung der Plagioklase:
Es gibt ein weiteres Indiz dafür, ob ein Feldspatkristall Plagioklas
oder Alkalifeldspat ist.
Wie bereits beschrieben, sind Plagioklase weniger stabil.
Insbesondere die kalziumhaltigen Plagioklase neigen zum Grünwerden,
das von den Kernen her ausgeht.
Der Vorgang, bei dem sich Plagioklase umwandeln, heißt
„Saussuritisierung", das Mineralgemisch, das sich im Plagioklas
bildet, „Saussurit" (benannt nach dem Schweizer Geologen Saussure).
Darin ist unter anderem Epidot enthalten.
Dieser Epidot ist von pistaziengrüner Farbe und färbt den
Kristall grünlich.
Bild
unten: Porphyr aus Dalarna (Geschiebe von der Insel
Fehmarn)
Die grünlichen Kristalle sind Plagioklase, die
weißen sind die Alkalifeldspäte.
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Sonstige Begriffe im Zusammenhang mit
Feldspäten:
In der Literatur tauchen immer wieder verschiedene Begriffe auf, die
auf die Feldspäte Bezug nehmen. Einige wichtige habe ich hier
zusammengestellt, um die Orientierung zu erleichtern.
Orthoklas: Orthoklase gehören zu den Alkalifeldspäten und
sind durch ein Kristallgitter definiert, daß in seiner Ordnung
zwischen Sanidin (Hochtemperaturform) und Mikroklin
(Tieftemperaturform) steht.
Streng genommen macht man man der Bezeichnung "Orthoklas" eine
Aussage über das Kristallgitter, die eigentlich nur nach einer
Dünnschliffuntersuchung statthaft wäre. Die meisten Alkalifeldspäte
sind aber in der Tat Orthoklase.
Sanidin: Die Hochtemperaturform des Alkalifeldspats.
Sanidine kommen
nur in vulkanischen Gesteinen vor. Durch die schnelle Abkühlung
hatten sie
keine Zeit, das Kristallgitter den niedrigeren Temperaturen
anzupassen. Im Feldspatdreieck sind es die Sanidine, die im roten
Bereich - also am Rande der Mischungslücke - liegen. Sie
können wegen der schnellen Abkühlung nicht entmischen.
Mikroklin: Die Tieftemperaturform des Kalifeldpates.
Mikrokline brauchen zu ihrer Bildung eine langsame Abkühlung. Dabei entwickelt sich das Kristallgitter so, daß die Aluminium- und
Siliziumatome ein regelmäßig geordnetes Gitter aufbauen. (Beim
Sanidin ist es völlig ungeordnet, beim Orthoklas nur teilweise.)
Mikroklin ist im Dünnschliff, also nur unter dem Mikroskop, an einer
typischen Gitterbildung zu erkennen. Makroskopisch ist Mikroklin
nicht bestimmbar. Oft zeigen Mikroklinkristalle schöne perthitische
Entmischungen, weil diese zu ihrer Entstehung die gleichen
Bedingungen - langsame Abkühlung und viel Zeit - benötigen.
Feldspatnamen aus der Plagioklasreihe:
Die folgenden Namen beziehen sich auf verschiedene
Mischungsverhältnisse von Albit und Anorthit.
(Vergl. im Feldspatdreieck die untere Reihe der Plagioklase.)
Heute werden statt der Namen auch die prozentualen
Mischungsverhältnisse angegeben (Anorthitgehalt in Prozent).
Albit: (NaAlSi3O8):
Anorthitgehalt von O bis 10 %. (An0-An10)
Oligoklas: Anorthitgehalt von10 % bis 30 %. (An10-An30)
Andesin: Anorthitgehalt von 30 % bis 50 %. (An30-An50)
Labradorit: Anorthitgehalt von 50 % bis 70 % (An50-An70)
Bywtonit: Anorthitgehalt von 70 % bis 90 % (An70-An90)
Anorthit: (CaAl2Si2O8)
Anorthitgehalt 90% bis 100 % (An90-An100)
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