Übersicht Südschweden Nordschweden Norwegen Finnland / Ostsee Rapakiwis
alle Themen Süd- und Westküste Dalarna Oslogebiet Bornholm Einleitung
Gesteinsliste Småland-Dalsland Nordschweden Finnland und Ostsee alle Rapakiwis
Bildergalerie Stockholm-Värmland Sonstige Åland Texte
Kontakt Metamorphite Bottensee


Kullaite: 


   
Druckansicht

Kullaite sind Ganggesteine.
Sie sind benannt nach dem „Kullen“ („Erhebung“, „Hügel“, „Anhöhe“), der die Spitze des „Kullaberges“ bildet. Der Kullaberg ist eine bewaldete, lange und schmale Halbinsel an der schwedischen Küste nördlich von Höganäs, etwa 30 km nordwestlich von Helsingborg.
 

Nordküste am Kullaberg, Südwestschweden
    
Für Sammler kristalliner Gesteine gehören Kullaite zu den überaus seltenen Raritäten. Da ich wiederholt nach ihnen gefragt wurde, stelle ich sie hier vor, auch wenn die Chance, einen zu finden, sehr, sehr klein ist. Sie sind so selten, weil Kullaitgänge in der Regel schmal sind. Die Flächen, von denen während der Eiszeiten Material abgelöst und zu uns transportiert werden konnte, sind also nur schmale Streifen in der Landschaft. Dazu kommt, daß diese Gesteine sehr unauffällig und leicht zu übersehen sind. Ein typischer Kullait sieht zum Beispiel so aus:
    

Kullait vom Kullaberg, anstehend bei Josefinelust. H. Wilske legit.
(Die Probe ist zwar abgerundet, stammt aber vom Ufergeröll direkt unterhalb des Ganges)
   

Auf Armeslänge sehen Kullaite einfarbig aus und zeigen kaum Einzelheiten, von gelegentlichen rötlichen Flecken abgesehen. Unter der Lupe jedoch erkennt man ein Gewirr winziger Feldspatleisten, die weißlich, braun oder rötlich gefärbt sind. Dazu kommen dunkle Minerale in der Grundmasse, die zusammen mit den Feldspäten dem Gestein eine graugrünliche bis braune Farbe verleihen. Quarz ist makroskopisch nicht erkennbar.
Ohne Lupe dagegen sehen Kullaite eher unattraktiv aus. Es sind definitiv Gesteine für Genießer.

  
Kullait, Ausschnitt Kullait, Ausschnitt

Der Gang, aus dem diese Probe stammt, sieht so aus:
   
Kullaitgang am Kullaberg



Geologischer Rahmen:
Der Kullaberg befindet sich am südwestlichen Rand des Baltischen Schildes, der in einem langen Staffelbruch - der Tornquist-Zone - endet. Die Halbinsel des Kullaberges streicht in NW-SO-Richtung und zeichnet in der Landschaft gut sichtbar den Verlauf der Tornquist-Zone nach. In dieser Bruchzone stehen noch andere, vereinzelte Grundgebirgshorste, die sich ebenfalls in gleicher Richtung erstrecken: z. B. der Hallandsåsen oder der Söderåsen. In der Verlängerung nach Südosten bildet die Insel Bornholm das letzte Teilstück der Tornquist-Zone an der Erdoberfläche.
Die Kullaite stammen aus der Zeit des Karbons und Perms. Ihre Bildung war an die Verwerfungen innerhalb der Tornquist-Zone gebunden und mit dem Aufstieg mafischer Schmelzen verknüpft. Dieses Magma mit basaltischer Zusammensetzung stieg in den Rissen und Verwerfungen der  Bruchzone auf und es entstand ein ausgedehnter Schwarm dunkler Gänge, die alle in NW-SO-Richtung durch Schonen verlaufen. Diese Gänge werden als Nordwest-Dolerite bezeichnet. Bei einem kleinen Teil dieser dunklen Gänge kam es zur Vermischung des basaltischen Magmas mit hellen, feldspatreichen Gesteinsschmelzen. Das Ergebnis dieser Magmenmischung sind die Kullaite.
    
In der folgenden geologischen Karte sind einige wenige der NW-Dolerite als violette Linien eingetragen. Sie zeigen Richtung und Ausdehnung der Tornquist-Zone und des Gangschwarms an, zu dem auch die Kullaite gehören. Die Bruchzone mit den darin enthaltenen Gängen setzt sich bis nach Bornholm fort (außerhalb der Karte).
   

 
Die Tornquist-Zone ist reich an dunklen Gängen:
   
Steinbruch Torpa Klint

Im Steinbruch Torpa Klint, südlich von Höör, Schonen.
    
In Torpa Klint wird ein präkambrischer Gneis zu Schotter verarbeitet. In diesem Gneis stecken die steil einfallenden dunklen Ganggesteine, deren Breite hier meist unter einem Meter liegt. Das Bild ist ungefähr in der Richtung des Streichens der Gänge aufgenommen, Blick nach Südosten. Die Pfeile zeigen auf die Gänge, die teilweise durch Verwitterung braun gefärbt sind. Zum größten Teil handelt es sich um NW-Dolerite, einige der Gänge scheinen eine etwas abweichende Zusammensetzung zu haben (Lamprophyre). Das Bild illustriert auf anschauliche Weise, wie das aufdringende Magma in vorhandene Risse eindrang. Parallel zu diesen dunklen Gängen stecken die meist braunen Kullaite im Grundgebirge der Tornquist-Zone, sind aber sehr viel seltener.
Wie viele Kullaitgänge es gibt, ist nicht bekannt. An der Typlokalität, dem Kullaberg, gibt es bereits mehrere. Dazu kommen die Vorkommen im Steinbruch von Dalby (inzwischen abgebaut), in Torpa Klint (der „Syenitporphyr von Torpa Klint“) sowie im Steinbruch Bjergebakke auf Bornholm. Wenn man sich vor Augen hält, daß bereits in diesen wenigen Steinbrüchen Kullaitgänge angetroffen wurden, kann man vermuten, daß es noch weitere im Untergrund von Schonen gibt. Als Wirte für die Kullaite kommen natürlich nur solche Gesteine in Frage, die älter als Karbon bzw. Perm sind. In Schonen stammen diese hauptsächlich aus dem Präkambrium und dem Silur.
     
  
Der Kartenausschnitt zeigt das westliche Schonen. Die violetten Linien sind besonders große NW-Dolerit-Gänge, sie stehen für viele hundert kleinere mafische Gänge und die Kullaite. All diese Gänge enden an den Grenzen zu Gesteinen, die jünger Perm sind, also
Trias, Jura, Kreide und Tertiär. Östlich von Landskrona ist das besonders schön zu sehen.
Das enge Nebeneinander unterschiedlich alter Formationen spiegelt hier die Geschichte des allmählichen Zerbrechens und gestaffelten Absinkens des Grundgebirges wider. Die im Untergrund liegenden alten Gesteine werden nach Südwesten zu von immer jüngeren überlagert.
Doch zurück zu den Vorkommen der Kullaite.
Neben den südschwedischen Vorkommen und dem Gang von Bjergebakke auf Bornholm sind Kullaite auch vom Grefsenkollen (Oslo) bekannt. Wegen dieser weit auseinander liegenden Vorkommen sind sie keine Leitgeschiebe, auch wenn Eigennamen wie „Kullait von Dalby“ dies nahelegen mögen.

Weitere Beispiele:
  


Kullait von Bjergebakke, Bornholm.
   

Dieser Kullait ist von dunkler, braungrauer bis grünlichgrauer Farbe. Sein Gefüge ist feinkörnig mit unregelmäßigen, kleinen rötlichen Flecken. Nur mit einer Lupe sieht man, daß das gesamte Gestein von kleinen, regellos angeordneten Feldspatleisten durchzogen ist. Sie sind hier weißlich bis schwach rötlich.    
Die Feldspäte in den Kullaiten sind fast immer Plagioklase, gelegentlich kommen auch Alkalifeldspäte vor. Eine makroskopische Bestimmung ist wegen ihrer geringen Größe generell nicht möglich.
Die rötlichen runden Flecken sind in diesem Handstück nur wenige Millimeter groß, gelegentlich gibt es kleine Drusen.
Dieser Kullait enthält sehr viele dunkle Minerale, die zum Teil als dünne Nadeln ausgebildet sind.
   
kullaite from Bornholm, Dk

   
Das nächste Handstück (unten) stammt ebenfalls aus Bjergebakke. Sein Gefüge ist, verglichen mit dem der meisten Kullaite, schon relativ "grob". Beachten Sie die rötlichen Einschlüsse, das ist ebenfalls Kullait. Wir haben hier also einen Kullait mit Kullaiteinschlüssen. Solche genetisch verwandten Einschlüsse von Gestein gleichen Ursprungs (aus dem gleichen Magma), bezeichnet man als Autolithe.
  
kullaite

   
Ausschnitt aus der Mitte von oben (polierter Schnitt):

  
Kullait aus dem Steinbruch Bjergebakke auf Bornholm

 
Der rötliche Kullaiteinschluß ist feldspatreicher und geringfügig grobkörniger ist als seine Umgebung.

Bjergebakke auf Bornholm:
     
Im alten Steinbruch von Bjergebakke wurde früher Almindinge-Granit gebrochen. Da der Abbau seit vielen Jahren ruht, sind inzwischen alle Oberflächen angewittert und der Kullaitgang fällt nicht auf. Er hat jedoch eine andere Klüftung als der umgebende Granit, so daß man ihn mit ein wenig Aufmerksamkeit doch findet. Der Gang ist etwa anderthalb Meter breit und an zwei Flächen, im Norden und im Süden, aufgeschlossen.
 
Kullait von Bjergebakke auf Bornholm

Oben: Blick nach Süden,
und nach Norden (unten).
   
kullaite at quarry Bjergebakke, Bornholm, Danmark

   
Aus der Nähe ist erkennbar, daß die Klüftung innerhalb des Ganges engständiger als im umgebenden Granit ist. Die Person befindet sich genau oberhalb der Mitte des Kullaitganges.
   
kullaite

  
Im Zweifel hilft es, eine Ecke abzuschlagen. Schließlich ist das ein Steinbruch, da muß man
nicht so zurückhaltend sein:
  
Kullait im Anstehenden auf Bornholm

Der Kullait ist schlierig und inhomogen, was bei einem Mischgestein nicht überraschend ist.

Das nächste Beispiel vom Kullaberg zeigt einen bekannten und besonders auffälligen Kullait, der sich unterhalb des Leuchtturms "Kullens fyr" befindet.
  
Kullaberg, unterhalb des Leuchtturms

Das Hellgraue ist von Flechten überwachsenes Gestein. Der rotbraune Kullaitgang ist unten am Strand etwa zwei Meter breit, weiter oben im Hang erscheint er schmaler.

Steht
man direkt davor, erkennt man auch, daß das Wirtsgestein der weißschlierige Granatamphibolit ist, der selbst ein schönes Leitgeschiebe für Südwestschweden ist.
(Die Landschaft dort ist Naturschutzgebiet, der Hammer muß im Auto bleiben)

  

  
Aus der Nähe:

  
Der schlierige Kontaktbereich von Kullait und Granatamphibolit läßt vermuten, daß es zu einer Aufschmelzung des Amphibolits und zur Vermischung mit dem eindringenden Magma kam.

Der rotbraune Kullait sieht aus der Nähe so aus (frischer Bruch eines losen Stückes vom Strand):
   
roter Kullait vom Kullaberg
  
Ein anderes, schön gerundetes Geröll von dort ist erkennbar feinkörniger:
    
kullaite


Geschiebefunde von Kullaiten:
Kullaite sind wegen der winzig kleinen Vorkommen als Geschiebe verständlicherweise selten.
Mir sind nur zwei Funde bekannt, einer von Hans-Jörg Altenburg, ein zweiter von Dr. Karsten Obst.
Der erste wurde in einer Kiesgrube bei Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) gefunden:
  

Auffallend sind hier die Feldspateinsprenglinge. Das Gefüge in diesem Schnitt erinnert an einen engen Verwandten des Kullaits, den "Syenitporphyr von Torpa Klint".

Der andere Fund wurde von Dr. Obst auf Rügen gemacht. Sein Kullait enthält neben den schon erwähnten rötlichen Flecken auch dunkle Schlieren, bei denen es sich um Reste von basaltischer Schmelze handeln dürfte. Zu diesem Fund erschien auch eine Beschreibung in "Geschiebekunde aktuell" (siehe ganz unten).
  
Kullaitgeschiebe von Rügen


Zusammenfassung:
  
Kullaite sind Ganggesteine, die durch die Vermischung von basaltischem Magma mit hellen, feldspatreichen Schmelzen entstanden. Sie sind permokarbonischen Alters, stammen überwiegend aus Schonen und sind dort, zusammen mit den Nordwest-Doleriten, Teil eines ausgedehnten Gangschwarmes innerhalb der Tornquist-Zone. Zusätzlich gibt es Kullaite auf Bornholm und im Oslogebiet. Wegen dieser weit auseinander liegenden Vorkommen eignen sie sich nicht als Leitgeschiebe.
Kullaite zeichnen sich durch eine braungraue, grünlichgraue, braune oder rotbraune Färbung aus und bestehen aus einer feinkörnigen Masse sehr kleiner, regellos angeordneter Feldspatkristalle, begleitet von mehr oder weniger vielen dunklen Mineralen. Die Feldspäte sind überwiegend Plagioklase, nur untergeordnet kommt Kalifeldspat vor. Eine Bestimmung der Feldspäte ist wegen der kleinen Abmessungen im Gelände nicht möglich, aber auch nicht nötig.
In vielen Kullaiten finden sich unscharfe rötliche Flecken. Dazu können etwas größere, meist idiomorphe Feldspäte kommen sowie dunkle Schlieren als Reste mafischer Schmelze.

Beschreibung des Kullaitfundes von Rügen in:
Geschiebekunde aktuell, Nr. 17, Hamburg, Juli 2001. Obst, K. "Kullaite und ihre Bedeutung als Leitgeschiebe" Seite 75-84.