kristallin.de > Gesteine von Aland     english summary

Åland


Lagekarte

Åland [1] ist eine Inselgruppe in der nördlichen Ostsee zwischen Schweden und Finnland. Es gehört zu Finnland, lehnt sich jedoch kulturell an Schweden an und ist zum Teil autonom. Åland ist demilitarisiert, hat ein eigenes Parlament, eigene Radiosender, eigene Autokennzeichen und ist durchgehend schwedischsprachig. Die Domainendung ist „.ax“.
Åland besteht aus einer großen Insel („Fasta Åland“) mit der Hauptstadt Mariehamn. Dazu kommen mehrere mittelgroße Inseln, die alle bewohnt sind. Die über 6000 kleinsten Inseln sind unbewohnt und bilden den Schärengarten, der sich bis nach Finnland erstreckt.

Küste von Aland
Bild 1: Die Küste im nördlichen Åland.
Schärengarten
Bild 2: Der Schärengarten zwischen Åland und Finnland.

Ein Teil Ålands besteht aus nacktem, vom Eis polierten Fels. In den Senken dazwischen gibt es eiszeitliche Ablagerungen (Lehm, Sand, Mergel), auf denen Landwirtschaft möglich ist.
Während der Eiszeiten war diese Landschaft mehrere Jahrtausende lang von Gletschern bedeckt, die sich langsam nach Süden bewegten, da aus dem Norden ständig neues Eis nachströmte. Dabei schliffen die Gletscher die Landoberfläche ab und drückten die obere Erdkruste durch ihr Gewicht nach unten. Seit dem Abtauen des Eises vor etwa 10000 Jahren hebt sich in ganz Skandinavien die Erdkruste wieder und damit auch Åland. Zwar lagen die Inseln nach der Eiszeit noch mindestens 2000 Jahre unter Wasser, trotzdem hat sich seitdem die Hebung auf mehr als 60 m addiert. Aktuell verläuft der Aufstieg mit etwa 6 mm pro Jahr [2] etwas langsamer als früher. In ferner Zukunft wird Åland als Inselgruppe verschwunden und Teil des finnischen Festlands sein.

Gletscherschliff
Bild 3: Die vom Eis polierte Landfläche liegt seit
etwa 10000 Jahren frei. (Eckerö, Åland)

Die Schleifspuren der Gletscher findet man überall auf Åland. Man erkennt sie im Kleinen ebenso wie aus großer Höhe, wie die Reliefkarte der finnischen Geografen zeigt [3]:

Karte der Landoberfläche
Bild 4: Åland, von Gletschern abgeschliffen.
(mit freundlicher Genehmigung der GTK)

Während der Eiszeiten nahmen die Gletscher Massen von Steinen, Sand und Abrieb mit und brachte sie bis zu uns. Geschiebe von Åland findet man regelmäßig in der nördlichen Hälfte Deutschlands und sogar noch südlich von Leipzig und im Raum Dresden.

Geologie

Auf der Hauptinsel dominiert das große Granitmassiv von Åland mit einem Alter von etwa 1,56 Milliarden Jahren (Ga), das vom älteren svekofennischen Grundgebirge (etwa 1,85 Ga) umgeben ist. Entlang einer Verwerfung östlich des großen Granitmassivs gibt es vier kleine „postorogene“ Granitvorkommen, die nach Inseln benannt wurden: „Lemland“, „Mosshaga“, „Seglinge“ und „Åva“. Diese vier Intrusionen sind jeweils nur wenige Kilometer groß, überwiegend ringförmig und haben ein Alter zwischen dem des alten Grundgebirges und dem des Granitmassivs von Åland.
Im Südosten, westlich vor der Insel Kökar, liegt unter Wasser ein weiterer Granitpluton („Kökarsfjärden“), dessen Umriss in der Karte angedeutet ist. Dieser Granit, es ist der Kökar-Rapakiwi, gehört zwar geografisch zu Åland, aber nicht geologisch. Er bildet eine separate Einheit und wird auch an anderer Stelle beschrieben.

Skizzer der Geologie von Aland
Bild 5: Schematische Geologie von Åland.

Das alte Grundgebirge (grün), der Granitpluton von Åland (hellrot) und die postorogenen Granite (dunkelrot). Weiße Punkte deuten die Grenze zum festländischen Finnland an.

Uns interessiert hier vor allem der Granit der Hauptinsel. Er erstreckt sich unter Wasser noch weit nach Norden und Westen und nimmt mehrere Tausend Quadratkilometer ein. Dieser Granit sieht nicht überall gleich aus, sondern besteht aus den unterschiedlichsten Gefügevarianten einschließlich diverser Vulkanite. Tatsächlich ist es ein Flickenteppich ganz verschiedener Gefüge. Sie gehen auf einzelne Magmaschübe zurück, die verschieden schnell aufstiegen und unter je eigenen Bedingungen erstarrten, was zu einem großen Formenreichtum führte. Alle diese verschiedenen Granite waren Teil eines einzigen, mehrere Millionen Jahre andauernden magmatischen Ereignisses: dem Aufstieg eines großen Granitplutons.

SKizze des Grundgebirges
Bild 6: Grundgebirge im Norden der Hauptinsel.
Das Granitmassiv besteht aus ganz unterschiedlichen
Gefügevarianten, die regellos verteilt sind.

Die Karte ist eine starke Vereinfachung. Im Gelände findet man noch viel mehr der sich abrupt oder auch allmählich ändernden Gefüge.

  Die wichtigsten Gefüge im Granitmassiv von Aland sind
    Wiborgit (runde Feldspäte mit Saum),
    Pyterlit (runde Feldspäte ohne Saum),
    gleichkörniger und porphyrischer Granit („Aland-Granit“)
sowie
    Porphyre.

close up of a rapakivi granite
Bild 7:Im Wiborgit haben die meisten runden Feldspäte einen Saum.
Pyterlit
Bild 8: Im Pyterlit fehlt den runden Feldspäten der Saum.
even grained granite
Bild 9: gleichkörniger Granit
porphyrischer Granit
Bild 10: porphyrischer Granit
Porphyr
Bild 11: Porphyr (feinkörnige Grundmasse mit Einsprenglingen)

Alle diese verschiedenen Gefüge stammen aus der Zeit vor 1,56 Ga und haben eine ähnliche Zusammensetzung. Sie bestehen aus viel Alkalifeldspat, viel Quarz und etwas Plagioklas. Rein von ihrer Zusammensetzung her sind sie alle Granite, haben jedoch zum Teil recht ungewöhnliche Gefüge. Besonders auffällig sind natürlich die runden Feldspäte in einigen der grobkörnigen Granite. Man nennt sie in Finnland traditionell „Rapakivi“ (Rapakiwi). Die Entstehung dieser Granite war lange Zeit Gegenstand von Spekulationen, denn Feldspäte wachsen normalerweise nicht als runde Kristalle. Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts weiß man, dass sie das Ergebnis eines besonderen Abkühlungsverlaufs und eines Magmas mit ungewöhnlichen Eigenschaften sind. (Siehe auch: Was sind Rapakiwis?)
Einige dieser Granitvarianten sind so auffällig, dass man sie auch noch weit vom Ursprung entfernt sicher erkennt. Sie belegen, dass sich die Gletscher der Eiszeiten mehr als 1000 km weit nach Süden bewegten.

Die östlichen Inseln Ålands bestehen aus dem alten Grundgebirge, das sich im Gelände überwiegend als Gneis bzw. als Migmatit zeigt. Beides sind hoch metamorphe Gesteine und gleichzeitig auch die letzten Spuren der svekofennischen Gebirgsbildung vor etwa 1,85 Mrd. Jahren. Sie sind leicht an ihrem gestreiften Gefüge erkennbar.

svekofennische Gesteine - svecofennian rocks
Bild 12: Svekofennischer Gneis mit jüngeren Pegmatitgängen
an der Westküste der Insel Kökar im Südosten Ålands.

 

Postorogene Granite

„Postorogen“ (= nach einer Gebirgsbildung) bezieht sich auf das umgebende svekofennische Grundgebirge. Die vier postorogenen Granite von Lemland, Seglinge, Mosshage und Åva sind etwas jünger als ihre svekofennische Umgebung, aber älter als der Rapakiwigranit. Sie haben ein Alter zwischen 1,77 Ga und 1,81 Ga.
Für die Geschiebekunde ist allein der grobkörnige Lemland-Granit relevant, der sich im Süden Ålands erstreckt.

Lemland-Granit
Bild 13: Grobkörniger Lemland-Granit

Mit seinem braunen Plagioklas und den großen helleren Alkalifeldspatkristallen ist er ein schönes und leicht zu erkennendes Leitgeschiebe.

Unabhängig von der Geologie ist Åland immer eine Reise wert.

castel Castelholm
Bild 14: Schloss Kastelholm auf Åland
Alands Fahne
Bild 15: Ålands Flagge
rotes Grundgebirge
Bild 16: Åland besteht fast völlig aus rotem Granit.
Bild 17: im Schärengarten
Alands Autokennzeichen
Bild 18: Autokennzeichen auf Åland

 

Erläuterungen:

[1] Das „Å“ wird lang und offen gesprochen, ähnlich wie in „Boote“.
(zurück zur Textstelle)

[2] www.lantmateriet.se/ar/maps-and-geographic-information/GPS-och-geodetisk-matning/Referenssystem/Landhojning/
(zurück zur Textstelle)

[3] https://gtkdata.gtk.fi/maankamara/index.html (abgerufen am 01.10.2015)
(zurück zur Textstelle)

Literatur

LEHTINEN, NURMI, RÄMÖ (Hrsg.) 2005 Precambrian geology of Finland. Key to the evolution of the Fennoscandian Shield - Developments in Precambrian Geology 14, Amsterdam (Elsevier). 

KOISTINEN TJ 1996 (Hrsg.) Explanation to the Map of Precambrian basement of the Gulf of Finland and surrounding area 1:1 million - Geological Survey of Finland, Special Paper 21, Espoo. 

Geologisk Karta över Finland, Berggrundskarta, Blad 1021 (Geta) 1:100 000 

Laserscan der Landoberfläche: http://gtkdata.gtk.fi/maankamara/index.html  

Angaben zur Landhebung: www.lantmateriet.se/ar/maps-and-geographic-information/GPS-och-geodetisk-matning/Referenssystem/Landhojning/

 

Druckfassung (PDF)

nach oben

 

Summary

Åland is a group of islands in the northern Baltic Sea between Sweden and Finland. It belongs to Finland, but is culturally similar to Sweden. Åland is partly autonomous, demilitarized, has its own parliament, its own radio stations, its own license plates and is Swedish-speaking throughout. The domain extension is ".ax".

Åland consists of a large island ("Fasta Åland") with the capital Mariehamn. In addition several medium-sized islands, which are all inhabited. The more than 6000 smallest islands are uninhabited and form the archipelago, which extends to Finland.  
One part of Åland consists of bare rock polished by the ice. In the valleys in between there are glacial deposits (clay, sand, marl) with agriculture.

During the ice ages this landscape was covered by glaciers for several millennia. The ice moved slowly southwards, as new ice was constantly flowing in from the north. In the process, the glaciers cut the surface of the land and pushed the upper earth's crust down by their weight. Since the melting of the ice about 10000 years ago, the earth's crust has been rising all over Scandinavia and with it Åland. Although the islands were still under water for at least 2000 years after the Ice Age, the uplift since then has added up to more than 60 metres. Currently the rise is about 6 mm per year, which is a little slower than before. In the distant future Åland will disappear as an archipelago and become part of mainland Finland.

The traces of the glaciers are everywhere on Åland. You can see them on a small scale as well as from high altitudes, as the relief map of the Finnish geographers shows. (Picture 3, 4)

During the ice ages the glaciers took masses of stones, sand and abrasion with them and brought them as far as Germany. Åland erratics are regularly found in the northern half of Germany and even south of Leipzig and in the Dresden area.  

Geology
The main island is dominated by the large granite massif of Åland with an age of about 1.56 billion years (Ga), which is surrounded by the older Svekofennian basement (about 1.85 Ga). Along a fault east of the large granite massif there are four small "postorogenic" granite intrusions. They were named after islands: "Lemland", "Mosshaga", "Seglinge" and "Åva". These four intrusions are each only a few kilometres in size, mostly ring-shaped and have an age between that of the old bedrock and that of the granite massif of Åland. (Picture 5)

In the southeast, west off the island of Kökar, there is another granite pluton ("Kökarsfjärden") under water. Its outline is marked on the map. This granite, it is the Kökar-Rapakivi, belongs geographically to Åland, but not geologically. It forms a separate unit and is also described elsewhere. 

The granite of the main island is of particular interest here. It extends under water far to the north and west and occupies several thousand square kilometres. This granite does not look the same everywhere, but consists of the most different structural variants including various volcanic rocks. They are the result of individual magma flows that rose at different speeds and solidified under their own conditions. All these different granites were part of a single magmatic event lasting several million years: the rise of a large granite pluton.
The most important textures are: viborgite, pyterlite, equigranular and porphyry granite, and porphyries. (Picture 7-11)

All these granite varieties are about 1.56 Ga old and have a similar composition. They consist of much alkaline feldspar, much quartz and some plagioclase. Purely from their composition they are all granites, but some of them have quite unusual textures. Especially remarkable are of course the round feldspars in some of the coarse-grained granites. In Finland they are traditionally called "Rapakivi". The formation of these granites has long been the subject of speculation, as feldspars do not normally grow as round crystals. Since the end of the 20th century it has been known that they are the result of a special cooling process and a magma with unusual properties.
Some of these granite varieties are so striking that they can be reliably recognized even far from their origin. They prove that the glaciers of the ice ages moved more than 1000 km to the south. 

Svekofennian rocks
The eastern islands of Åland consist of the old bedrock, which in the terrain is mainly gneiss or migmatite. Both are highly metamorphic rocks and at the same time the last traces of the Svekofennian mountain formation about 1.85 billion years ago. They are easily recognizable by their gneissic texture. (Picture 12)

Postorogenic granites
"Postorogen" (= after a mountain formation) refers to the surrounding Svekofennian basement. The four postorogenous granites of Lemland, Seglinge, Mosshage and Åva are slightly younger than their Svekofennian surroundings, but older than the Rapakivi granite. They have an age between 1.77 Ga and 1.81 Ga.

Only the coarse-grained Lemland granite, which extends in the southern part of Åland, is relevant for determination of erratics. With its brown plagioclase and the large lighter alkali feldspar crystals it is a beautiful and easily recognizable “Leitgeschiebe”. (Picture 13)

 

top