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Ignimbrite, Fortsetzung
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Auch der folgende Ignimbrit stammt aus dem Geschiebe. Er zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Färbung aus. Gefunden am Brodtener Ufer, Ostsee.
  

 
In diesen Eutaxit sind viele gelbliche und einige schwach rosafarbene Feldspäte eingestreut. Auch die Flammen zeigen einen gelbbraunen Farbton. Gesteinsbruchstücke (Xenolithe) sind nicht enthalten. Dieses Gestein ist, soweit ich weiß, in der Literatur nicht beschrieben und seine Herkunft ist unklar. Es scheint überdies sehr selten zu sein. Wenn Sie ein solches Geschiebe finden sollten, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Vielleicht hilft der Fundort, das Herkunftsgebiet einzugrenzen.

Eutaxitische Gefüge wie die bisher gezeigten gibt es nicht nur in harten Gesteinen. Der nächste Ignimbrit ist nicht im entferntesten so fest wie die Porphyre aus Dalarna. Rochlitzer Porphyr aus Sachsen:
  
Rocjlitzer Porphyr - ein Ignimbrit aus Sachsen
  
Dieses Gestein stammt aus dem Perm, ist also noch recht jung. Es baut den Rochlitzer Berg auf, der nördlich von Chemnitz in Sachsen liegt. Der Stein wird abgebaut und liefert einen lebhaft gezeichneten Werkstein. Das Gestein ist im bergfrischen Zustand gut zu bearbeiten und hat nur eine mittlere Härte. Rochlitzer Porphyr wurde nicht nur in Sachsen und Thüringen in großer Menge verbaut, sondern findet sich sogar in Hamburg. Dieses attraktive Gestein hätte auch heute noch durchaus mehr Wertschätzung verdient.
Die Poren zeigen an, daß das noch heiße Gestein direkt nach der Ablagerung weiter entgaste. Die aus einer Lava entweichenden Gase („Volatile“) sind hauptsächlich Kohlendioxid und Wasser. In rhyolithischen Magmen wie diesem hier überwiegt meist der Wassergehalt den des Kohlendioxids. Solche Lava kann bis zu 7 Gewichtsprozent Wasser enthalten. Das ist sehr viel. Dieses überhitze Wasser und das Kohlendioxid sind es, die den Vulkan antreiben und einen Großteil der Energie für den Ausbruch liefern.

Das nächste Bild zeigt wieder ein Gestein aus dem Norden. Es handelt sich um einen "Älvdalen-Porphyr" aus Mittelschweden. Unter diesem Namen werden Ignimbrite aus Dalarna zusammengefaßt, die vor etwa 1700 Millionen Jahren entstanden. Viele von ihnen zeigen perfekte eutaxitische Gefüge.
  
Ignimbrit aus Dalarna
Typischer Ignimbrit aus Dalarna. Nahgeschiebe in Mittelschweden.

Ignimbrite mit eutaxitischem Gefüge zeigen zwar immer gleiche Merkmale, nämlich eine dichte Grundmasse mit Einsprenglingen und um diese herum abgelagerte Bimsfladen, aber das Aussehen der Gesteine schwankt in weiten Grenzen. Man findet im Geschiebe zierliche, sehr filigran gezeichnete Ignimbrite und auch solche mit sehr grob strukturierten Gefügen.
Unten: Ignimbrit aus der Nähe von Älvdalen/Dalarna. Im Stück polierter "Handschmeichler".
  
Ignimbrit aus Dalarna 
Dieser Stein ist gerade mal 4 cm breit, aber sein Ignimbritcharakter ist trotzdem deutlich.
Der Ausschnitt unten zeigt mehr.
Alle Feldspateinsprenglinge sind kleiner als 1 mm, die meisten der Flammen sind hauchdünn,
die kräftige am rechten Bildrand erreicht gerade einen Millimeter.
  


Das nächste Beispiel dagegen zeigt dagegen ein üppig groß ausgebildetes Gefüge.
Ignimbritgeschiebe von Heiligenhafen, Ostsee:
  

 
Dieses Geschiebe wird von einer mehr als fingerdicken Schliere (Fiamme) durchzogen, die im ursprünglichen Gesteinsverband gut und gern 40 cm lang gewesen sein mag. Das Gestein kommt sehr wahrscheinlich ebenfalls aus Dalarna in Schweden. Ignimbrite mit solch dicken Flammen sind im Geschiebe selten.
 
In den glazialen Ablagerungen sind eutaxitische Ignimbrite zwar nicht häufig, werden aber immer wieder gefunden. Die meisten dieser schön gezeichneten Gesteine kommen aus Dalarna. Sie sind gute Leitgeschiebe für das Vulkanitgebiet nordwestlich vom Siljansee. Hier noch ein weiteres Beispiel:
  
Ignimbrit
Ignimbrit aus Dalarna. Geschiebe von Glowe auf Rügen.

Auf diesen Vulkaniten basierte übrigens im Schweden des 19. Jahrhunderts eine beeindruckende Steinverarbeitung. Siehe Bild rechts.
Mehr dazu finden Sie bei der Beschreibung des Blyberg-Porphyrs.
  
Anmerkung zu "Porphyr": Porphyre können durchaus Ignimbrite sein. Um ein Porphyr zu sein, genügt es, wenn Einsprenglinge in einer feinkörniger Grundmasse stecken. Sofern die hier gezeigten Ignimbrite solche Gefüge haben, sind sie auch Porphyre. Der Umkehrschluß ("Dieser Porphyr ist ein Ignimbrit") gilt bei der Bestimmung von Hand nur, wenn man zusätzlich Flammen findet, also ein eutaxitisches Gefüge vorliegt.
In der älteren Literatur wurden solche Gesteine übrigens auch als „schlierige Porphyre“ bezeichnet. Diese Beschreibung trifft das Äußere recht gut.

Eutaxite aus anderen Vorkommen:
  
Neben den Ignimbriten aus Dalarna gibt es in Schweden auch weiter südlich, in Småland, einige wenige Ignimbrite, die ein schönes eutaxitisches Gefüge zeigen. Diese sind im Geschiebe allerdings recht selten.
Neben denen aus Småland findet man im Geschiebe noch den Ignimbrit von Åland und einzelne rote Ostsee-Quarzporphyre, die ein perfektes, eutaxitisches Gefüge haben. Ein Beispiel für alle drei finden Sie hier unterhalb.

Ignimbrit aus Idekulla in Smaland
Ignimbrit von Idekulla (Småland)

Ignimbrit aus Aland
Aland-Ignimbrit

Roter Ostsee-Quarzporphyr - ignimbritische Variante
Roter Ostsee-Quarzporphyr

Auch bei den norwegischen Ignimbriten aus dem Oslograben kommen Eutaxite vor.

Im Südosten Deutschlands kann man an einigen Stellen die skandinavischen und die sächsischen Ignimbrite nebeneinander finden. Permische Ignimbrite aus Sachsen werden mit den Flüssen nach Norden transportiert, die nordischen Geschiebe wurden vom Eis aus Schweden bis an den Rand des Erzgebirges verschleppt: Jung (Sachsen) trifft alt (Schweden).

Fehlbestimmungen im Geschiebe:
   
Geschiebesammler sind oft von dem Wunsch erfüllt, bestimmte, möglichst hübsche oder seltene Leitgeschiebe zu finden. In diesem Streben wird gelegentlich übers Ziel hinausgeschossen. Es erfordert aber genaues Hinsehen, wenn man sich bei einem Gestein auf die Bezeichnung "Ignimbrit" festlegt. Es genügt nicht, daß das Gestein streifig aussieht, Feldspateinsprenglinge hat und die Farbe stimmt. Es gibt durchaus Möglichkeiten, einen Ignimbrit mit einem ähnlichen Gestein zu verwechseln.
Das trifft zum Beispiel auf Gneise zu. Insbesondere die Grundmasse um die Einsprenglinge herum sowie die Streifen im Gestein sollte man genau kontrollieren. Schauen Sie kritisch nach, ob die Bruchstücke und die Grundmasse wirklich abgelagert aussehen oder ob es Hinweise gibt, daß das Gefüge durch eine seitliche Scherbewegung deformiert wurde. In einem Ignimbrit schmiegt sich die Grundmasse an die Einsprenglinge oder Gesteinsbruchstücke an. Die Form der Einsprenglinge wird nicht von der Grundmasse beeinflußt, denn die Kristalle oder Bruchstücke sind bereits vor dem Ausbruch in der Lava vorhanden. Sie sind Festkörper, die im Ignimbrit von den Bimsfladen und der vulkanischen Asche eingehüllt und umflossen werden. In Gneisen wie dem folgenden dagegen sind die Einsprenglinge verformt, sei zeigen eine seitliche Ausschwänzung. An den Enden der Einsprenglinge zeigen sich kleine, tropfenförmige Zipfel. Diese sind das Ergebnis einer Scherbelastung, die den gesamten Gneis formte. Das Gestein zeigt eine gleichzeitige Verformung von Grundmasse und Einsprenglingen. Gneis ("Loftahammar Gneisgranit").

Die Pfeile zeigen auf die kritischen Stellen. 
  
Nur wenn die Einsprenglinge undeformiert sind und das Material um sie herum wirklich abgelagert aussieht, handelt es sich um einen Ignimbrit. Dazu bedarf es immer der Kontrolle mit einer Lupe.
Auch feinkörnige Vulkanite können deformiert sein und dann einem Eutaxit sehr ähnlich sehen.
 

Das Bild zeigt die polierte Schnittfläche eines Geschiebes, das auf den ersten Blick nach einem Ignimbrit aussieht. Schaut man genau hin, zeigt sich jedoch, daß die Einsprenglinge (hier sind es Quarze) verformt sind.
   
Vulkanit, deformiert
  
Auch dieses Gefüge weist Deformationen auf. Sie sind klein, aber deutlich. Wenn Sie die Vergrößerung anschauen, sind die seitlichen Verformungen der Quarze gut zu erkennen. Dieses Gestein könnte ursprünglich ein Ignimbrit gewesen sein, aber das wäre nur durch eine weitergehende Untersuchung zu klären. In jedem Falle wurde das Gestein nachträglich verformt, so daß nur von diesem Anblick her die Bezeichnung Ignimbrit nicht gerechtfertigt ist.
Ein anderer Hinweis auf eine stattgefundene Metamorphose sind Streifen im Gestein, die lang und gerade sind. Flammen, die ihre Wellung verloren haben und gleichmäßig dünn und auffallend lang sind, gehören nicht in ein eutaxitisches Gefüge. In einem normalen Ignimbrit sind die Streifen nicht gerade, sondern leicht gebogen, gewellt und an den Enden ausgefranst. Gesteine wie der hellbraune Vulkanit hier oberhalb können einmal durchaus Ignimbrite gewesen sein. Allerdings führt eine Metamorphose zur zunehmenden Verwischung der typischen Merkmale. Der ursprüngliche Ignimbrit geht dann nach und nach in einen metamorphen Vulkanit über. Solche graduellen Veränderungen sind für einen Laien kaum sicher zu erkennen, da man in der Regel keine Dünnschliffe anfertigt. Daher sollte man sich bei der Benennung "Ignimbrit" auf die wirklich eindeutigen und sicheren Fälle beschränken.
Wenn Sie zu keinem klaren Ergebnis kommen, belassen Sie es bei "Porphyr" oder "Rhyolith".
Damit sind Sie auf der sicheren Seite. Mit der Benennung „Ignimbrit“ dagegen machen Sie eine sehr präzise Aussage über eine spezielle, vulkanische Entstehung.  

Die Beschreibungen der im Text angesprochenen Ignimbrite finden Sie hier:
Åland-Ignimbrit
Älvdalen-Porphyre
Blyberg-Porphyr

Roter Ostsee-Quarzporphyr
Småland-Ignimbrit aus Idekulla
Ignimbrite aus dem Oslograben