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  Västervik-Quarzit und Västervik-Fleckengestein:     
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Beide Gesteine werden zusammen vorgestellt, weil sie von ihrer Entstehung
und ihrem Vorkommen her eng verbunden sind. Zuerst sehen Sie einige typische Vertreter des Västervik-Fleckengesteins. (Auf der nächsten Seite finden Sie Angaben zur Entstehung.)
 
Das Västervik-Fleckengestein ist ein schönes, leicht zu erkennendes Leitgeschiebe. Insbesondere die schwarz-rot gefleckten Varianten fallen im Geschiebe auf.
  
Vor etwa 1,85 - 1,88 Milliarden wurden in einem Flußdelta große Mengen von Sand abgelagert. Dazwischen gab es Flächen, die auch tonhaltige Sedimente enthielten.
In der nachfolgenden svekofennischen Gebirgsbildung wurden die rein sandigen Ablagerungen bei mäßigen Drücken und hohen Temperaturen zu Quarzit umgewandelt.
Aus den sandig-tonigen Sedimenten entstand das meist schwarz-rot oder schwarz-grau gezeichnete Fleckengestein. Seine Flecken bestehen aus Cordierit.
   
Die Gefüge der Fleckengesteine sind sehr inhomogen und vielgestaltig. Große Teile des Anstehenden in Schweden sind völlig undeformiert, andere stark gneisig. In einigen Partien wirken die roten und schwarzen Minerale wie durchgerührt.
Die rote Komponente ist im Dünnschliff eine Mischung aus überwiegend Alkalifeldspat (Mikroklin), wenig Plagioklas und etwas Quarz.
Da die Zusammensetzung stark schwankt - je nachdem, unter welchen Bedingungen das Ausgangsmaterial sedimentiert wurde - kann man als allgemeinen Mineralbestand nur Feldspäte, Quarz und Cordierit nennen.
Das Fleckengestein ist weniger hart als der Quarzit.
 
Erstes Bild: Västervik-Fleckengestein, grau-schwarze Form. Polierter Schnitt.
Die ersten 4 Bilder zeigen Proben aus dem Anstehenden auf der Insel Skälö, südlich von Västervik.
   
Vaestervik Fleckengestein

Die dunklen Flecken heben sich deutlich von der Grundmasse ab. Sie bestehen aus Cordierit, der
durch viel eingelagerten Biotit schwarz gefärbt ist. Unter der Lupe zeigt das Gestein ein körniges Gefüge.
Im Anstehenden kann man erkennen, daß die Flecken nur in begrenzten Gebieten auftreten.

Unten: Anstehender Fels am Bootsanleger auf Skälö. Der Anschnitt hat über die ganze
Breite eine recht frische Bruchfläche. Die Flecken sind nur in einem senkrechten Streifen
in der Mitte vorhanden. Bildbreite etwa 1,5 m.
   
Anstehdender Vaestervik Fleckenfels


Oberhalb und unterhalb sehen Sie zwei der vielen schwarz-roten Formen des Västervik-Fleckengesteins.

 

Neben dem Cordierit sind in den dunklen Flecken noch Muskovit, Feldspat und Quarz zu finden.
Die Mineralkörner sind aber meist so klein, daß die Bestimmung nur im Dünnschliff möglich ist.
Die rote Komponente besteht überwiegend aus Alkalifeldspat (Mikroklin), wenig Plagioklas und etwas Quarz.
 
Der nächste Schnitt zeigt ein Geschiebe aus der Kiesgrube in Groß Pampau in Schleswig-Holstein.
Dieses Gestein ist praktisch undeformiert.
  
Vaestervik-Fleckengestein aus dem Geschiebe

Detail daraus:
  


Unten: Geschiebe am Strand südlich von Saßnitz mit mäßig deformiertem Gefüge.
Breite des Gesteins etwa 40 cm.
 


Die Metasedimente aus der Gegend um Västervik sind keineswegs selten. Hat man das auffällige, rotschwarze Gefüge zum ersten Mal gesehen, findet man diesen Geschiebetyp immer wieder.
  
Diese Gesteine werden manchmal als Västervik-Gneis oder als Västervik-Quarzit bezeichnet.
Um mit dem zweiten anzufangen: Für einen Quarzit sind alle mir bekannten Exemplare zu weich.
Quarzite zeichnen sich durch einen sehr festen Kornzusammenhalt aus. Es ist nicht möglich, einen Quarzit zu ritzen. Die Fleckengesteine sind aber ganz erheblich weicher. Es gibt durchaus Quarzite in der Umgebung von Västervik - die zeigen aber ein wesentlich monotoneres Äußeres und keine schwarzen Flecken. (Bild dazu weiter unten)
Als Gneise sind die Västervikgesteine nur ab und zu ausgebildet, denn ein Gneis hat ein von Deformation geprägtes Gefüge - andernfalls ist er keiner.
   
Gneisgefüge in Västervik- Metasedimenten
  
Västervik-Gestein als Gneis. Skälö, schwedische Ostküste.

Ein Gestein mit einem so kräftig verformten Gefüge wie dieses hier - das kann man
wirklich als Gneis bezeichnen. Die meisten anderen jedoch, insbesondere die Typen mit rundlichen, dunklen Cordieritflecken, sind "Granofelse".
Als "Fels" werden metamorphe Gesteine bezeichnet, die ein ungeregeltes Gefüge zeigen.
"Fels" ist hier ein petrographischer Begriff, nicht zu verwechseln mit dem umgangssprachlichen
Begriff für Gestein oder Gebirge überhaupt.
  
"Granofelse" sind Gesteine mit einem richtungslosen, ungeregelten Gefüge, in dem die Minerale während der Metamorphose neu gewachsen sind. Das Gefüge wird dann als "granoblastisch" bezeichnet.
Die Benennung rührt vom (lat.) "Granum" für "Korn" und (griech.) "Blastein" für "Wachstum, Sprossen."
Voraussetzung ist, daß im Gestein keine auffällig gestreckten, nadeligen oder sonstwie ungleichmäßig geformten Minerale enthalten sind. Diese erhielten dann Sonderbezeichnungen.

Das folgende Exemplar zeigt ein ganz besonders schönes Gefüge:
  


Bei der Bergung dieses Geschiebes stand der Gedanke Pate, daß es sich hier um ein Kugelgestein,
also einen Orbiculit handeln könnte. Das war ein Irrtum. Es ist Västervik-Fleckengestein, aber in
besonders schöner Form. Die rundlichen Gebilde sind die bereits erwähnten Cordierite,
die in diesem Gestein während der Metamorphose gewachsen sind. In der Vergrößerung unten
kann man die kleinen hellen Flitter der hellen Glimmer (Muskovit) sehen.
  

  
Geschiebe von Horne Naes, Fyn, Dänemark



Um mehr zu sehen, habe ich ein Stück abgeschnitten. Rechts ist ein Stück aus der Schnittfläche.
 



Västervik-Quarzit:
   

Ein Teil der Metasedimente im Västervikgebiet liegt als Quarzit vor.
Diese Gesteine dort sind meist hellrötlich oder graue, gleichkörnige und ausgesprochen feste Metamorphite.
 
Der Unterschied zu Sandsteinen ist schon im Bruch, auf jeden Fall aber mit der Lupe zu erkennen:
Jeder Quarzit hat ein komplett neu kristallisiertes Gefüge, bei dem keine einzelnen gerundeten Quarzkörner mehr zu erkennen sind.
Der Bruch solcher Gesteine geht nicht entlang der Korngrenzen, sondern quer durch das Gefüge.
Die Verzahnung der einzelnen Quarzkörner ist fester als der Quarz selbst. Quarzite sind immer
sehr harte und verwitterungsresistente Gesteine, die überwiegend oder sogar ausschließlich aus Quarz bestehen.
Im Zweifelsfall hilft es, die Härte des Gesteins zu prüfen: Einen Quarzit kann man nicht ritzen.
 

  

Die rote Farbe ist in der Västervikformation an verschiedenen Stellen zu finden. Sie rührt von feinstem Hämatit her, das auf den ehemaligen Korngrenzen der Sandkörner abgeschieden wurde.
  
Das abgebildete Gestein ist ein Geschiebe und könnte durchaus aus der Västervik-Formation stammen, denn solche grauvioletten Formen gibt es dort mehrfach.
Ich bin mir aber nicht sicher, ob dieser Farbton sich ausschließlich im Västervikgebiet findet und damit diesen Typ zum Leitgeschiebe qualifiziert.
        

   
Geschiebe von Klützhöved, mecklenburgische Ostseeküste

 
Auf der nächsten Seite finden Sie noch einige Angaben zur Entstehung der Gesteine um Västervik.