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Gesteinsbestimmung: Gefüge beurteilen.
(Teil 2)
Das Gefüge magmatischer Gesteine:
Magmatische Gesteine entstehen bei der Abkühlung von Gesteinsschmelzen.
Das Gefüge ist massig, richtungslos und körnig.
Die Probe sieht aus allen Richtungen gleich aus, egal, wie ich sie halte.
Das Gestein baut sich aus meist unterschiedlich gefärbten Mineralkörnern auf.
Die Umrisse der Minerale sind unregelmäßig eckig, teilweise haben sie gerade Kanten, manchmal sind einige, aber nicht alle, rund. Das Gestein enthält nur selten Hohlräume und niemals Fossilien.
Die Korngröße reicht von extrem klein (auch mit der Lupe nicht erkennbar) bis viele Zentimeter groß. Entscheidend für die Größe der Minerale ist die Abkühlungszeit der Schmelze.
Viel Zeit = große Kristalle, wenig Zeit = kleine Kristalle.
Aus der Korngröße leitet sich die Gliederung der magmatischen Gesteine in drei Untergruppen ab:
Dazu Beispiele:
A.) Gefüge eines Tiefengesteins (Plutonit): Körnig und richtungslos, das Gestein sieht aus allen Richtungen gleich aus.
Welche
Minerale hier vorhanden sind, ist bei der Gefügebeurteilung noch
nicht wichtig.
Allerdings sollte die Gesamtfarbe eines Gesteins immer beachtet werden.
Gesteine, die so dunkel sind wie dieses hier, sind meist mafische
Gesteine. (Gabbro/Diorit und verwandte Gesteine)




Wenn Einsprenglinge vorhanden sind:
Form und Farbe beachten:
Schlanke, helle Einsprenglinge in sehr dunklen
Gesteinen sind fast immer Plagioklase. Farbige Einsprenglinge in
hellen oder grauen oder bunten Vulkaniten sind oft Alkalifeldspäte.
C.) Das Gefüge der Ganggesteine (auch
"Subvulkanite" genannt):
Ihr charakteristisches Gefüge enthält Merkmale beider obiger
Gruppen: Die gut entwickelten Kristalle der Magmatite und die
dichte/feinkörnige Grundmasse der Vulkanite.
Solche Gesteine bezeichnet man als "Porphyre".
"Porphyr" bedeutet, daß sich gut entwickelte, größere Kristalle
("Einsprenglinge") in einer feinkörnigen/dichten Grundmasse
befinden.
Solche porphyrischen Gefüge entstehen unter anderem, wenn die
Kristallisation plötzlich abgebrochen wird. Ursache kann der
Aufstieg eines kristallhaltigen Magmas sein, das an der
Erdoberfläche oder in kalter Umgebung beschleunigt abkühlt. Als
Ergebnis bildet sich ein feinkörniges Gestein, das die bereits
gebildeten Kristalle in einer feinkörnigen Grundmasse zeigt.
Beachten Sie im nachfolgenden Beispiel, daß einige der Einsprenglinge,
es sind Feldspäte, eckige Umrisse haben. Die Kristalle sind idiomorph (=
eigengestaltig). Ein Detail, daß Ihnen nicht entgehen darf.

Im Geschiebe sind solche Porphyre häufig. Es
gibt ziemlich viele verschiedene Varianten. Etliche sind als
Leitgeschiebe charakteristisch für ein bestimmtes Herkunftsgebiet.
Das Gefüge der Sedimentite (Ablagerungsgesteine):
Sedimentite entstehen durch
Ablagerung der Reste von zersetzten Gesteinen.
Diese Ablagerung geschieht meist über sehr lange Zeiträume, dabei
werden die einzelnen Bestandteile in Schichten abgelagert.
Ein jedem bekanntes Beispiel ist Sandstein.
Sand (= Quarzkörner) ist das, was von völlig verwitterten Gesteinen
in unseren Breitengraden übrigbleibt. Er wird vom Wasser oder Wind
transportiert und abgelagert und unter günstigen Umständen
verfestigt.
Beim Ablagern bildet sich die charakteristische Schichtung. Sie
entsteht zum Beispiel durch verschieden große Körner. Eine Lage
feinen Sandes wird von einer Lage grober Körner bedeckt, dann folgt
wieder feiner Sand. Es bilden sich Schichten.
Wechselt die Färbung der einzelnen Sandkörner, bilden sich farblich
abgesetzte Schichten. Sedimentgesteine sehen deswegen oft gestreift
aus.


Nahaufnahme
eines Sandsteins. Sie sehen die dicht gepackten Körner.
Bei einem Sandstein sind es immer kleine Quarze.
Viele Sedimentite sind nicht sehr hart. Man
kann sie mit einem Stahlnagel leicht ritzen.
Besteht ein Sedimentgestein aus groben, gerundeten Stücken,
wird es als Konglomerat bezeichnet (linkes Bild). Sind die
Bestandteile eher eckig, nennt man es Brekzie (rechtes Bild).
Konglomerate sind weitaus häufiger zu finden als schöne Brekzien.

Das Gefüge metamorpher Gesteine:
Metamorphite entstehen immer aus bereits vorhandenen Gesteinen.
Die Umwandlung wird durch Druck und erhöhte Temperaturen
verursacht und findet im festen Zustand statt, es kommt nicht zu einer Aufschmelzung.
(Gesteine, bei denen die Aufschmelzung einsetzt, heißen Migmatite und bilden
eine eigene Gruppe)
Ein wichtiges Kennzeichen vieler metamorpher Gesteine ist ihr deformiertes Gefüge.
Zu erkennen ist es an den eingeregelten, parallel liegenden und verformten
Mineralkörnern.
Das ganze Gestein wirkt gestreift oder lagig, wobei dieses lagige Gefüge
nicht mit der Schichtung in Sedimentiten verwechselt werden darf. Hier
handelt es sich um eine Einregelung der Minerale oder, wenn die
Verformung stark genug war, um Schieferung.
Schieferung bedeutet, daß sich das Gestein plattig spalten läßt.
Metamorphe Gesteine entstehen unter anderem bei Gebirgsbildungen. Man
bezeichnet solche Überprägungen als Regionalmetamorphosen, weil sie ganze Regionen betreffen,
also sehr weiträumig angelegt sind.
Die Feldspäte werden dabei zu "Augen" verformt und gelängt, Quarze
plattgedrückt.
Außerdem können sich neue Minerale bilden. Ein solches metamorphes Mineral ist
Granat.
Die meisten Granate in unseren Gesteinen sind bei Metamorphosen entstanden.
Sie sehen überwiegend rötlich, violett oder bräunlich aus. Oft erscheinen
sie rundlich, gelegentlich zeigen sie schöne Kristallflächen. Granatführende
Gesteine sind im Geschiebe häufig.
Im abgebildeten Gestein sind es die
dunkelrotbraunen Einsprenglinge.

Das entscheidende Merkmal im Bild ist das horizontal deformierte
Gefüge..
Die horizontale Einregelung spiegelt
eine gerichtete Belastung wieder, die hier geherrscht hat: Die
Mineralkörner haben sich in Lagen angeordnet und sind verformt worden.
Es gibt eine deutliche Vorzugsrichtung, die man erkennt, wenn das
Gestein gedreht wird. Es sieht
nicht mehr aus allen Richtungen gleich aus!
Der Unterschied zur Schichtung in den oben beschriebenen
Sedimentgesteinen besteht darin, daß metamorphe Gesteine nicht aus
Bruchstücken aufgebaut sind, sondern eher den magmatischen Gesteinen
gleichen. Sie bestehen aus einem Verband von Mineralkörnern. Diese
Minerale zeigen oft Spuren von Deformationen, teils mit dem bloßen Auge
erkennbar, teils nur mikroskopisch nachweisbar.
Ein zweiter deutlicher Hinweis neben der Deformation des Gefüges ist das
Auftreten typischer Minerale.
Insbesondere Granat ist ein leicht zu erkennendes Minerale, das fast immer einen
auf eine Metamorphose zurückgeht.
Andere Minerale, die sich ebenfalls regelmäßig in metamorphen Gesteinen finden,
sind Cordierit, Sillimanit und Disthen (Kyanit).
Für die makroskopische Bestimmung von Geschieben ist es wichtig,
immer auf eingeregelte (gestreckte) Gefüge der Gesteine zu achten und
das Auftreten von Granat bewußt wahrzunehmen.
Eine präzise Bestimmung metamorpher Gesteine ist meist nur mit
Dünnschliffen und weiteren Untersuchungen zu leisten.
Das
Gebiet der metamorphen Gesteine ist weit gespannt. Eine gründliche
Behandlung ist in diesem Rahmen hier nicht möglich.
Für mehr Informationen zu
diesem komplexen Thema sei hier auf ein Standartwerk verwiesen:
Wimmenauer: Petrographie magmatischer und metamorpher Gesteine,
Enke-Verlag.
Auf der
nächsten Seite geht es mit der Bestimmung der hellen Minerale weiter.