
Roter Ostsee-Quarzporphyr. Nicht simpel und langweilig, sondern formenreich und schön.
Jelle de Jong, Reidingweg 5, 9203 KR Drachten
Beschreibungen durch andere.
Verschiedene Autoren haben dreierlei Merkmale zum ROP mehr oder weniger
ausführlich besprochen. Diese drei Merkmale sind: Chlorit und Epidot;
Xenolithe und Quarzeinsprenglinge.
Chlorit und Epidot
Die Anwesenheit dieser Minerale wird von beinahe allen in der
Literaturliste genannten Autoren als Flecken/Fleckchen oder Nester/Nestchen
beschrieben.
Xenolithe
Xenolithe sind Fragmente eines fremden Gesteins in einem
Erstarrungsgestein. Smed (2002) erwähnt das häufige Vorkommen von
Einschlüssen aus feinkörnigem Basalt. Zandstra (1988) fand Einschlüsse aus
Leptit, Gneis und feinkörnigem Diabas im gewöhnlichen Typus. In dem
fluidalen Typ stellte er neben den soeben genannten Einschlüssen
gleichzeitig die auch durch Hesemann (1975) erwähnten Bruchstücke eines
älteren Ostsee-Quarzporphyrs fest. Von den beiden in Zandstra (1999)
beschriebenen Steinen zeigt der massive Typus (durch Zandstra in 1988 als
gewöhnlicher Typus bezeichnet) „einen dunklen Xenolithen, umringt durch
einen sehr schmalen hellroten Reaktionsrand“. Der ignimbritische Typus
(durch Zandstra in 1988 als fluidaler Typ bezeichnet) enthält „einzelne
dunkle Xenolithen“.
Farbe und Form der Quarzeinsprenglinge
Die Farbe der Quarze wird durch die verschiedenen Autoren als
grau, dunkelgrau, rauchgrau, dunkel- oder braungrau und rauchbraun
angegeben.
Zandstra (1988) bemerkt zu Recht, dass die Farbe des Quarzes in der
Verwitterungsrinde etwas heller erscheint. Diese Erscheinung kennen wir von
mehreren Quarzporphyren. Sie wird durch Anstoßen verursacht, wodurch der
Quarz beschädigt wird. Um die richtige Farbe feststellen zu können, hilft
es, ein Stück des Steins aufzuschlagen, um eine frische Bruchfläche zu
erhalten. Wenn man dies beim ROP tut, muss sich ergeben, dass die Farbe
niemals (hell)grau ist, sondern von dunkelgrau bis dunkelrauchbraun
variieren kann.
In Bezug auf die Form der Quarze fällt auf, dass Hesemann (1975) und Smed
(2002) die Kristallform der Quarze nicht erwähnen. Das ist bemerkenswert,
weil dies für ROP ein wichtiges Bestimmungsmerkmal ist. Vor allem für das
Bestimmen der Typen, die vom normalen Muster abweichen, ist unter anderem
die Form des Quarzes wesentlich. Zandstra (1988) erwähnt zu Recht „sehr
eckige (auch splitterförmige) Quarzeinsprenglinge“. „Nicht selten ist der
Quarz stark korrodiert ¹ und zeigt Aushöhlungen oder es bleiben
splitterförmige Reste übrig“. Auch die beiden in Zandstra (1999)
abgebildeten Exemplare enthalten „unregelmäßig eckige, dunkle Quarze“ und
diese sind „sehr unregelmäßig in der Form, zum Teil splitterförmig; viele
Exemplare enthalten mit Grundmasse gefüllte Korrosionslöcher“ (Zandstra
1999, fig.12 und fig.29b). Das betraf den massiven Typus (Zandstra 1999,
Foto Nr. 105). Der ignimbritische Typus (Zandstra 1999, Foto Nr. 106)
enthält „wenige, sehr kleine Einsprenglinge aus unregelmäßig eckigem, häufig
splitterförmigem, dunklem Quarz, der meist stark korrodiert und ausgehöhlt
oder gebrochen ist“.
¹ Unter Korrosion des Quarzes wird die magmatische Korrosion verstanden. Das
bedeutet, dass die Quarzkristalle durch flüssiges Magma angegriffen werden.
Typen
Es ist merkwürdig, dass weder Hellinga (1974; 1980) noch van der
Lijn (1963) noch Smed (2002) die Tatsache vermelden, dass von ROP mehrere
Typen existieren, die sich äußerlich und in der Zusammensetzung beträchtlich
voneinander unterscheiden. Hesemann (1975) genügt die Bemerkung „mitunter
ist eine deutlich fluidale Struktur zu sehen“. Erst in Zandstra (1988; 1999)
wird ein deutlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Typen gemacht.
In einer Untersuchung über den Einfluss von „Schrapnellgeschieben“ auf das
Ergebnis von Hesemann-Zählungen unterscheidet Zandstra (1993) 13 deutlich
voneinander zu unterscheidende ROP-Typen. In dieser Untersuchung ging es um
123 Steine von ROP. Ungefähr die Hälfte gehörte zum massiven Typus. Daneben
kamen noch 12 mehr oder weniger abweichende Typen vor.
Schrapnellgeschiebe sind Geschiebesteine, die alle von ein und demselben
Gesteinsblock herrühren, der nahe dem Fundort als Geschiebe in viele Stücke
auseinandergefallen ist, durch welche Ursache auch immer. Es versteht sich
von selbst, dass das Ergebnis stark beeinflußt werden kann, wenn eine große
Anzahl dieser Art in eine Zählung gelangt.
Die „Reihenmethode“
Manche Typen eines bestimmten Gesteins können dermaßen stark vom
Haupttypus abweichen, dass sie kaum mehr als Glied der betreffenden Familie
wiedererkannt werden. Eine Weise, um ein auf den ersten Blick unkenntliches
(Leit)Geschiebe doch als solches „unterzubringen“, ist die sogenannte
„Reihenmethode“. Die „Reihenmethode“ beinhaltet, dass man ein deutliches und
unumstrittenes Exemplar eines bestimmten Leitgeschiebes hinlegt. Daneben
legt man einen etwas abweichenden, aber unverkennbar verwandten Typ. Darauf
ein noch mehr von dem Haupttypus abweichendes Exemplar, aber Übereinstimmung
mit Nr. zwei zeigend und so weiter. Die Anzahl in der Reihe hängt
selbstverständlich ab von der Anzahl Exemplare, die man davon im Besitz hat.
Schaut man auf das am meisten rechts in der Reihe (also das am stärksten vom
ursprünglichen Gestein abweichende), dann ist dieses nicht mehr als
zugehörig zum betreffenden Leitgeschiebe zu erkennen. Die gesamte Reihe
betrachtend gibt es jedoch sehr wohl die Ähnlichkeit mit dem ersten aus der
Reihe (dem unumstrittenen Haupttyp). Diese „Reihenmethode“ ist von großer
Bedeutung in diesem Artikel. Die nun folgende Fotoreihe lässt erkennen, wie
eine solche Reihe aussehen kann.
Schlussfolgerung
Es hat sich gezeigt, dass vom Roten Ostsee-Quarzporphyr mehrere
Typen und Varianten bestehen, die nicht in allen Handbüchern über nordische
Leitgeschiebe beschrieben sind.
Obwohl alle ROP „Porphyre“ genannt werden, sind manche Typen eigentlich
Ignimbrite, andere Typen gleichen mehr Agglomerat-Laven.
Vor allem die Farbe und die Art der Quarze und der Einschlüsse vermitteln
wichtige Informationen zur Bestimmung von potentiellen Roten
Ostsee-Quarzporphyren.
Kurze Beschreibung der Fotoreihe 1 bis 8
Aus dieser Fotoreihe wird ersichtlich, dass ROP ein lebendiges und farb- und
formenreiches Gestein ist. Maßstab: Alle Nummeretiketten haben einen
Durchmesser von 1 cm.
(Anmerkung Bräunlich: Unter jeder der
folgenden Beschreibung (bis auf Nr.
2) finden Sie eine Gesamtansicht und mindestens eine Detailaufnahme. Bei
besonders lebhaft gezeichneten Geschieben gibt es mehrere Detailaufnahmen.)
Nr.1 Fundort Nijbeets
Nahezu dichte Grundmasse mit Schlieren von etwas gröberer Textur. Quarze
rauchbraun, ein einzelner klar wie Glas. Die Quarze stark korrodiert. Die
hellroten Kalifeldspateinsprenglinge sind recht unauffällig. Beinahe keine
Einschlüsse.
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Nr.2 Fundort Schoonloo
Grundmasse braun, etwas fluidal. Ein einzelner glasklarer (!) Quarz. Dunkle
Einschlüsse, mit gelbem Reaktionsrand. Der Einschluss links der Mitte
besteht aus einer hellgrauen Grundmasse, darin abgerundete Partien von
aplitischer Zusammensetzung. Der Einschluss ist umgeben von einer stark
fluidalen Grundmasse. Dasselbe gilt für den Einschluss am unteren Rand.
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Nr.3 Fundort Damsdorf, Schleswig-Holstein
Ignimbritische Grundmasse. Die rauchbraunen Quarze sind nicht sehr
zahlreich. Der dreieckige Einschluss ungefähr in der Mitte des Steins und
das graue, ovale Exemplar rechts oben sind fein ophitisch.
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Nr.4 Fundort Damsdorf, Schleswig-Holstein
Wie in Nr. 3 sind auch hier die dunklen Einschlüsse fein ophitisch. Die
Mehrzahl der Quarze ist hier klar und durchscheinend, es kommen aber auch
rauchbraune Exemplare vor.
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Nr. 5 Fundort Buinen
Von diesem Stein wurden drei Fotos aufgenommen: eins von der polierten
Fläche, eins von der Verwitterungsrinde und eine Detailaufnahme von einem
Einschluss aus einem älteren Ostsee-Quarzporphyr, wie bereits angegeben bei
der Erläuterung der Xenolithe. Stark fluidale Grundmasse mit vielen
Einschlüssen. Etwas oberhalb der Mitte im Foto von der Verwitterungsrinde
steckt ein Einschluss eines solchen älteren Ostsee-Quarzporphyrs.
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Schnittbild von 5:
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Nahaufnahme Oberfläche von 5:
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Nr.6 Fundort Exloo
Hellgraubraune Grundmasse, graue und braune Quarze mit
Korrosionserscheinungen. Rote Feldspateinsprenglinge von 1-3 mm fallen in
der Verwitterungsrinde auf. Dunkler gefärbte Schlieren mit Quarzbändern.
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Nr. 7 Fundort Schoonloo
Hellfarbiger, stark fluidaler Typus. Quarze dunkelgrau, korrodiert. Oben in
der Mitte befindet sich ein Einschluss aus Quarzporphyr. Die Schliere über
dem Nummernetikett enthält sehr fein verteilten Quarz und Mikrosphärolithe
(radialstrahlige Aggregate).
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Nr.8 Fundort Schoonloo
Als ich Stein 8 fand (Schoonloo 1983), dachte ich nicht direkt an ROP. Er
ist deutlich ein vulkanisches Gestein, das nahezu ausschließlich aus
Einschlüssen besteht, mit nur wenig fluidaler Grundmasse dazwischen.
Betrachtet man die Fotoreihe 1 – 8, dann wird es sehr annehmbar, dass Nr.8
zu der ROP-Familie gehört, wenn auch er im Habitus mehr einer
Agglomerat-Lava ähnelt. Zandstra hat den Stein im August 2000 angeschaut.
Dass wir diesen Stein doch Roten Ostsee-Quarzporphyr nennen, beruht auf:
-
der Form, Farbe und Korrosion der Quarze; diese
sind charakteristisch für ROP,
-
den Einschlüssen und der ignimbritischen
Struktur.
Eine gute Beschreibung von diesem
Stein zu geben, ist kaum möglich. Der Hauptanteil ist eine stark fluidale,
ignimbritische Masse mit einer großen Vielfalt an Elementen, die kaum zu
beschreiben sind. Ihre Schönheit ist unvergleichlich. In dieser Masse liegen
eine Anzahl Bruchstücke als Einschlüsse. Obenan ein mit Mikrosphärolithen
übersäter, grünlicher Einschluss mit roten Kalifeldspäten und klaren,
korrodierten Quarzen. Dasselbe grünliche Material kommt auch sonst als
Schlieren vor. Rechts zum Rand hin liegt ein mehr oder weniger dreieckiges,
rotbraunes Bruchstück mit einem Kern aus Mikrosphärolithen. Dieses Teil ist
durchädert mit äußerst feinen Quarzfiguren.
Links unten liegt ein Stück von einem braunen fluidalen Quarzporphyr.
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Ein anderer starker Hinweis, dass Nr.8 zu der ROP-Gruppe gehört, ist der
Fundort, nämlich die Sandsaugerei (ehemals Grube Vos) bei Schoonloo. In 1976
führte Zandstra in dieser Grube eine Hesemann-Zählung durch. Ergebnis:
Zählung Nr. 153; Koordinaten: 245.77/546.50; Anzahl Leitgeschiebe: 234;
Hesemann-Formel: 8110.
Von allen Leitgeschieben in dieser Zählung waren 83 % ostbaltischen
Ursprungs und von den 234 gehörten 35 zum Roten Ostsee-Quarzporphyr (= 15
%). Wer bei Stein Nr. 8 an eine Agglomerat-Lava aus Småland denkt, muss sich
klarmachen, dass in dieser Zählung nur 9 von 234 Steinen (= 4 %) aus Småland
stammten. Dies hinzugefügt zu der Tatsache, dass wir in beinahe 900
Zählungen, dabei viele mit 60-90 % Småland-Gesteinen, lediglich ein einziges
Mal eine Småland-Agglomeratlava fanden, macht die Chance wohl besonders
klein, dass Stein Nr. 8 aus dieser Region stammen könnte.
Literaturliste
Hellinga, W.Tj.und v.d.Heide, G.D., 1974, Zwerfstenen. Strengholt, Naarden:
S. 149
Hellinga; W.Tj., 1980, Elseviers Zwerfstenengids. Elsevier, Amsterdam/Brussel:
S. 136
Hesemann, J., 1975, Kristalline Geschiebe nordischer Vereisungen.
Geologisches Landesamt Nordrhein-Westfalen, Krefeld: S. 136
Lijn, P.v.d., 1963, Het Keienboek, 5. Aufl., W.J.Thieme & Cie, Zutphen: S.
109
Skupin, K., Speetzen, E. und Zandstra, J.G., 1993, Die Eiszeit in
Nordwestdeutschland. Zur Vereisungsgeschichte der Westfälischen Bucht und
angrenzender Gebiete. Sonderheft Geol. Landesamt Nordrhein-Westfalen,
Krefeld: S. 95-98
Smed, P., 2002, Steine aus dem Norden, 2. Druck, Gebrüder Borntraeger,
Berlin/Stuttgart: S. 108
Zandstra, J.G., 1988, Noordelijke kristallijne gidsgesteenten. Brill,
Leiden: S. 169-173
Zandstra, J.G., 1999, Platenatlas van noordelijke kristallijne
gidsgesteenten. Backhuys Publishers, Leiden: S. 166
Ende der Übersetzung
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- Aufsatz
im Original (niederländisch)
-
Übersetzung von Hildegard Wilske (nur Text)
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