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Roter Ostsee-Quarzporphyr: (überarbeitete Fassung)
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Vorkommen und Beschreibung
- Quarze
- ignimbritische Formen
Teil 1
- ignimbritische Formen Teil 2
(mit einem Aufsatz von J. A. de Jong)
Vorkommen und Beschreibung:
Den Roten Ostsee-Quarzporphyr findet man nur als
Geschiebe.
Es gibt keine Proben aus dem Anstehenden, weil das Herkunftsgebiet auf dem
Grund der Ostsee liegt, vermutlich ungefähr 100 km südöstlich der
Åland-Inseln.
Das Gestein ist ein leicht zu erkennendes
Leitgeschiebe.
Charakteristisch ist ein kräftiges Rot oder Rotbraun, in dem auf den ersten
Blick meist keine kristallinen Einsprenglinge zu sehen sind. Die
Feldspatkristalle, die man erst bei genauem Hinsehen erkennt, haben das
gleiche Rot wie die Grundmasse und sind klein und unauffällig.
Ein weiteres wichtiges Kennzeichen für die Bestimmung sind die schwarzen
Xenolithe (Fremdgesteinseinschlüsse). Es handelt sich um Basaltbruchstücke,
die bei der vulkanischen Entstehung in die Gesteinsmasse gemischt wurden.
Sie sind in fast jedem Gesteinsstück enthalten und selten größer als ein
paar Zentimeter.
Ein Teil der Roten Ostsee-Quarzporphyre entstand zweifelsfrei als
Ignimbrit. Die Gefüge einiger Geschiebe legen davon deutlich
Zeugnis ab. (Einführung zu Ignimbriten
hier)
Das erste Geschiebe stammt aus Elmenhorst bei Hamburg.
Es gehört zum unauffälligen, weit verbreiteten Haupttyp. Ohne Lupe fallen
nur der rote Farbton und die schwarzen Einschlüsse auf.
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Ein wichtiges Mineral für die Bestimmung dieses Leitgeschiebes ist der Quarz, der in unscheinbaren, kleinen Körnern
auftritt.
Die Anwesenheit von Quarz ist für diesen Gesteinstyp kritisch, d. h. er muß
vorhanden sein, andernfalls ist der Status des Geschiebes
unsicher. Oft jedoch sind die teilweise nur millimetergroßen Körner sehr
unscheinbar. Daher man sollte immer eine Lupe benutzen.
Wenn folgende Merkmalen gemeinsam vorhanden sind, handelt es sich um
den Roten Ostsee-Quarzporphyr: Rote (rotbraune), dichte Grundmasse, schwarze Xenolithe
(Fremdgesteine), unauffällige, rote Feldspateinsprenglinge, kleine Quarze.
Die folgenden Bilder zeigen einen frischen Bruch, in dem die Quarze und die
roten Alkalifeldspäte leichter als auf den abgerollten Oberflächen zu
erkennen sind.
Das Geschiebe stammt aus Jersbek bei Bargteheide/Hamburg. Zuerst die
Nahaufnahme:


Hier der Stein zum Vergrößern:
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Diese Porphyre enthalten regelmäßig
Fremdgesteinseinschlüsse (Xenolithe). Diese erscheinen als mehr oder
weniger kleine, dunkle Stücke, bei denen es sich meist um Basalt handelt.
Nicht selten zeigen sie einen hellen Saum. Diese Säume sind Reaktionsränder, die sich
beim Kontakt der
Gesteinsfragmente mit der heißen Grundmasse bildeten.
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Recht ähnlich sieht - auf den ersten Blick - der folgende Einschluß aus.
(Das Geschiebe stammt aus Hohwacht an der Ostsee.)
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Dieser Xenolith ist aber kein Basalt, sondern
wiederum ein Quarzporphyr. Wenn Sie die Vergrößerung anschauen, sind in dem
eingeschlossenen Gesteinsfragment gerundete Quarze und kleine, rote
Alkalifeldspäte zu erkennen. Dieser Porphyr ist ein eigenes, vom Roten
Ostsee-Quarzporphyr unabhängiges Gestein, über das nur wenig bekannt ist.
Solche Einschlüsse sind aber ein Hinweis darauf, daß es am Grund der Ostsee
weitere, noch unbekannte Vorkommen von Quarzporphyren gibt.
Das
nächste Bild weist in die gleiche Richtung. Auch hier steckt ein fremder
Quarzporphyr im Roten Ostsee-Quarzporphyr. Dieser Einschluß ist jedoch
wesentlich quarzreicher und hat eine hellere Grundmasse. (Ausschnitt aus
einem Geschiebe vom Stohler Ufer bei Kiel, Ostsee)
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Der Einschluß aus der Nähe:
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Auffällig ist die Rundung der Quarze, die durch magmatische Korrosion
verursacht wurde.
Der Einschluß hier macht deutlich, daß es in der Umgebung der Roten
Ostsee-Quarzporphyre mindestens noch einen weiteren
Quarzporphyr gibt.
(Das betone ich deshalb, weil es viele Quarzporphyre als Geschiebe gibt und
diese meist als Aland-Quarzporphyre bestimmt werden. Die Menge dieser Geschiebe
steht aber in keinem Verhältnis zu den kleinen Vorkommen auf Aland. Es wird noch
andere Herkunftsgebiete geben und ich vermute mindestens eines davon in der Nähe
der hier beschriebenen Gesteine.)
Das jetzt folgende Geschiebe ist mein persönliches Lieblingsstück. Es ist zwar
kaum faustgroß, aber
in dieser Form einzig. Ich kenne keinen weiteren Fund, bei dem in einem
Roten Ostsee-Quarzporphyr ein Diabas steckt. Dieses Geschiebe stammt aus der
Sammlung von J. A. de Jong (Drachten, NL).
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Der Stein wurde in Neuenkirchen gefunden.
Der Kontakt des Einschlusses zum einbettenden Porphyr ist auf der linken
Seite
besonders interessant.
Die rote Grundmasse ist nämlich ein Stück weit in den Diabas
eingedrungen. Der Kontaktbereich ist unscharf wolkig, was der beginnenden
Auflösung des dunklen Einschlusses geschuldet ist. Daraus kann man schließen, daß
die rote Schmelze
ungewöhnlich heiß gewesen sein muß, denn der Diabas, der ja eine basaltische
Zusammensetzung hat, braucht deutlich höhere Temperaturen zum Erweichen als der granitische Porphyr, der ihn umhüllt.
Im Bild unten ist zu erkennen, daß der rötliche Alkalifeldspat den Diabas
verändert und die
hellen Plagioklase jeweils am linken Rand verfärbt hat. Auch in der dunkler
getönten Grundmasse
bildet sich dieses Eindringen ab.
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Quarze:
Es gibt Details bei den Roten Ostsee-Quarzporphyren, die zu
beachten sich lohnt. Damit meine ich unter anderem die Ausbildung der Quarze.
Zum einen tragen sie regelmäßig Spuren von magmatischer Korrosion. Das zeigt
sich einerseits als äußere Rundung der Quarze und andererseits durch kleine Ausbuchtungen und Löcher,
die von roter Grundmasse ausgefüllt sind.
Diese Löcher und Buchten entstanden durch erneutes Anschmelzen eines bereits
gebildeten Quarzkristalls.
Dazu muß der gerade auskristallisierende Kristallbrei den Schmelzpunkt
der Minerale erneut erreichen. Das ist entweder durch eine Temperaturerhöhung oder
durch die Verringerung des Drucks möglich. In der Regel ist dürfte das zweite der Fall
sein, denn es genügt, daß sich das Magma nach oben bewegt.
Der damit verbundene Druckabfall führt zum Schmelzen der zuletzt gebildeten
Minerale - hier also der Quarze. Auslöser für einen Druckabfall kann ein
Vulkanausbruch oder auch nur der selbstständige Aufstieg der
Gesteinsschmelze sein.
Eine weitere Besonderheit sind die immer wieder vorkommenden kantigen
Quarze. Solche eigengestaltigen (idiomorphen) Quarze sind keineswegs
alltäglich. In den allermeisten Gesteinen ist Quarz xenomorph, da er fast
immer als letztes Mineral in den Zwickeln ausgeschieden wird. Quarze in
Eigengestalt bilden sich jedoch nur, wenn sie vor den Feldspäten
auskristallisieren. Idiomorphe Quarze können als Hochquarz oder als
Tiefquarz gebildet werden. Erkennbar ist das an ihren Umrissen: Ein Quarz mit
einem drei- oder viereckigen Querschnitt kristallisierte als trigonaler
Tiefquarz.
Hochquarz dagegen hat ein hexagonales Gitter und bildet gedrungene
Bipyramiden. Im Gestein zeigen Hochquarze einen sechseckigen Querschnitt.
(Beispiele dafür findet man unter anderem in den Rapakiwigraniten)
Anzumerken bleibt, daß die Quarze in den Gesteinen wegen der jetzt niedrigen
Temperatur immer als Tiefquarz vorliegen, auch wenn sie noch die Form des
Hochquarzes haben. Der Übergang des einen in den anderen Zustand geschieht
ohne äußere Veränderung.
In welcher Gestalt der Quarz kristallisiert, hängt wesentlich von Druck und
Temperatur ab. In jedem Fall sind idiomorphe Quarze etwas Besonderes.
Die folgenden beiden Bilder zeigen idiomorphe Gestalt und Korrosion bei
Quarzen.
(Geschiebe vom Stohler Ufer. Nähe Kiel, Ostsee)
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Die Pfeile weisen auf die Korrosionsspuren. Die Ausbuchtungen sind die Folge
einer erneuten, teilweisen Auflösung
der bereits gebildeten Quarzkristalle. Die dabei entstandenen Löcher haben
sich mit rötlicher Grundmasse gefüllt. Dazu ein weiteres Bild.
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Idiomorpher Tiefquarz mit Korrosionsspuren (Pfeile) in Rotem
Ostsee-Quarzporphyr.
In beiden Bildern stehen die geraden Außenkanten der Quarze im scharfen
Kontrast zum zerfressenen Inneren.
Diese Kombination aus Auflösungserscheinungen und idiomorphen Umrissen
weist auf getrennte, nacheinander ablaufende Prozesse. Am Anfang stand die
Bildung idiomorpher Quarzkristalle. Darauf folgte eine Phase
von Auflösung, die für den Lochfraß verantwortlich war. Daran schloß sich wieder ein Wachstumsschub
an, in dem sich erneut
ein kantiger Kristall ausbilden konnte. Dabei wurden viele Korrosionslöcher
einfach überwachsen und im Inneren der Kristalle konserviert.
Ignimbrite, Teil 1:
Wenn Sie sich in den Bildern oben die Grundmasse anschauen, fallen sofort die
etwas dunkleren Schlieren auf.
Dieser Porphyr ist ganz offensichtlich ein Ignimbrit.
Der Anteil von
Ignimbriten bei den Roten Ostsee-Quarzporphyren ist zwar nicht groß, aber sie
sind keineswegs seltene Exoten.
Einen etwas größeren Ausschnitt aus diesem Geschiebe sehen Sie hier.
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Dieses Bild zeigt die einfachste Variante eines ignimbritischen Roten
Ostsee-Quarzporphyrs. Die Grundmasse enthält die typischen Bimsstein-Flammen, die
hier von links oben nach rechts unten orientiert sind. Dazu findet man viele
dunkle Quarze und den obligatorischen Basalteinschluß (unten rechts).
Der nächste Ignimbrittyp sieht schon interessanter aus. Er enthält neben
einigen wenigen
Flammen überwiegend Einschlüsse, die selbst
wieder ignimbritische Porphyre sind.
Hier stecken also Ignimbritstücke in einem Ignimbrit.
Das Geschiebe stammt aus der Kiesgrube in Niederlehme,
südlich von Berlin.
Sammlung Jan Kottner.
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Der Ausschnitt verdient eine genaue Betrachtung. Der große Einschluß
rechts von der Mitte ist ein Ignimbrit, der große Ähnlichkeit mit dem
gesamten Porphyr hat. Er enthält die genau gleichen Quarze wie die
Grundmasse um ihn herum, ebenso die gleichen roten Kalifeldspäte. Das Gefüge
des eingeschlossenen Brockens ist jedoch viel stärker fluidal als das umgebende
Gestein.
Beachten Sie auch die stark ausgebuchtete Außenkante. Eine solche Umrißlinie deutet auf
kräftige Anschmelzung durch das
Umgebungsgestein hin, mit anderen Worten: der Einschluß war im Begriff, von
der ihn umgebenden heißen Masse aufgelöst
zu werden.
(Die weißen Kanten im Bild sind durch Reste des Poliermittels verursacht.)
Die Ignimbrite unter den Roten
Ostsee-Quarzporphyren sind so überaus
vielgestaltig und formenreich, daß es einige Sammler
gibt, die ein besonderes Augenmerk auf diese Geschiebe legen. Schaut man sich
in Sammlungen um, tauchen wirklich erstaunliche Exemplare auf. Einige solche
Geschiebe sehen Sie auf der
nächsten Seite.
Dazu finden Sie noch einen Artikel aus "Grondboor & Hamer" über die verschiedenen Ignimbrittypen der roten Ostsee-Quarzporphyre.